Die Schneekönigin #6

Offenbarung

Mit Entsetzten hatte die Ninja betrachtet, wie die Toten zu Staub zerfallen waren und sich nun dafür der General regte. Wenn sie eine Wahl gehabt hätte, dann wären ihnen seine Diener doch lieber gewesen, als er selbst. Shikamaru hatte sich wieder zurückgezogen und Sasuke stand kampfbereit noch an der gleichen Stelle wie zuvor. Entkommen war unmöglich, da noch immer die Wand aus Eis um sie herum gezogen war. Schmelzen würde auch nicht viel bringen, da dieser schwarze Ritter einfach eine neue Eiswand ziehen würde. Ihnen blieb somit nur der Kampf.

Schnell gesellten sich Kakashi, Gai und Lee zu Sasuke, um ihm beizustehen. Zusammen hatten sie deutlich bessere Chancen, hofften sie zumindest. Noch war der General einige Meter entfernt. Ihr letzter Versuch ihm zu schaden hatte nicht sonderlich funktioniert, weshalb ihnen Shikamaru riet, sich diesmal in Geduld zu üben. Vielleicht war diese Methode wirkungsvoller, als der direkte Angriff.


Einige Momente hatte Boron den Ninja noch zeit gegeben, sich neu zu formieren. Vier von ihnen standen vor den Anderen und schienen vor die Stärksten darzustellen. Sein gruseliges Lachen erklang erneut und wieder zuckten seine Gegner dadurch zusammen. Ihre Nervosität war ihnen deutlich anzusehen.

Sein Bewegungsdrang setzte sich durch und langsamen Schrittes ging er auf seine Kontrahenten zu. Das schwerfällige Stampfen der Robusten Stiefel entlockte dem eisigen Boden bei jedem Schritt ein lautes Knirschen. Seine Rüstung war sein derzeit einziger Schutz und auch seine einzige materielle Waffe. Nur wenige Fähigkeiten wollte er fürs Erste benutzen und auch diese musste er Stark zügeln. Wenn er es übertrieb, war das Spiel viel zu schnell vorbei.

Wenige Schritte vor den vier Ninja blieb er stehe und starrte mit eisigem Blick auf sie herab. Langsam, wie in Zeitlupe, hob er seine Arme an. Die Handflächen waren seinen Gegnern zugewandt. In beiden Händen erschien ein hellblaues Licht, welches von etwas schwarzen umgeben war. Dieses Licht wurde zu einem Strahl, welcher an den Vieren vorbei schoss und sich in der Reihe dahinter mit jeweils einem Ninja verband.

Mit einem Ruck zog er seine Arme zurück und diese Zwei flogen auf ihn zu und hätten dabei ihre eigenen Leute umgerissen, wenn diese nicht ausgewichen wären. Beide fielen vor ihm auf die Knie und während er den einen um schubste und einen Fuß auf dessen Brust platzierte um ihn am Boden zu halten, hielt er den anderen am Kragen und hob ihn auf Augenhöhe zu sich hoch. Nur knapp zwanzig Zentimeter waren ihre Augen von einander entfernt und Boron betrachtete das angsterfüllte Gesicht genau. Der Ninja wehrte sich mit Händen und Füßen, doch seine Schläge und Tritte prallten einfach an der Rüstung ab. Ein leises Knurren erklang von Boron, darauf warf er den Jungen Mann in die Arme der anderen Ninja, welche ihren Freund gerade befreien wollten.

Anschließend wandte er sich dem anderen zu, welche noch immer von ihm am Boden festgehalten wurde. Seinen Fuß nahm er von diesem und darauf zog er auch ihn zu sich rauf. Auch ihn betrachtete er genau.

„Du hast komische Augen.“, kam nach kurzer Musterung vom General.

Für den angesprochenen klang es noch immer sehr seltsam, wenn der General redete, doch in diese Aussage lag eindeutig nichts bedrohliches. Zuvor hatte er bei den Lauten des Todesritters immer Angst verspürt, doch dieses Mal fehlte dieses Gefühl. „Du hast selbst komische Augen!“, konterte Neji und versuchte sich aus dem Griff seines Gegners zu befreien. Doch wie zuvor schon Shikamaru hatte er damit nicht sonderlich viel Erfolg.

Etwas, dass nach einem Kichern klang, war darauf von Boron zu vernehmen. Ein eisiges und kaltes Kichern, welchem man jedoch auch deutliche Belustigung entnehmen konnte. „Du gefällst mir!“, sprach der Ritter darauf und sah sich seinen Gefangenen noch einen kurzen Moment an. „Du würdest sicher einen guten Sklaven abgeben. Mit dir hätte ich immer etwas zu lachen. Wie wärs? Willst du zu einem meiner Ritter werden?“ Wirklich ernst gemeint, hatte er dieses Angebot zwar nicht – er hatte in diesen Dingen kein Mitspracherecht, ob jemand zu einem Diener seiner Majestät wurde, lag ganz bei seiner Herrin – aber zum Schocken war es hervorragend geeignet. Innerlich grinste er schon in sich hinein, weil er bereits wusste, wie die Antwort ausfallen würde.

Für einige Minuten starrte Neji seinen Gegner fassungslos an. Wir kam der Typ nur auf so eine bescheuerte Idee! Niemals würde er sein Dorf verraten, und seine Freunde erst recht nicht! „Vergiss es, lieber sterbe ich!“

„Das lässt sich einrichten.“, meinte der Ritter darauf in einem besonders abweisenden und kühlen Ton und nun hatte seine Stimme wieder etwas inne, was dem Hyuuga angst machte. „Sterben wirst du sowieso, ebenso wie diese Pfeifen dort.“

Neji spürte wie er fallengelassen wurde und auf den Knien aufkam. Bewegen konnte er sich jedoch nicht, da irgendetwas ihn festhielt. Etwas kaltes schlängelte sich um seine Arme und hielt sie auf seinem Rücken fest. Die Kälte konnte er sogar durch seinen dicken Mantel noch deutlich spüren. Auf stehen war ihm unmöglich, einzige der Kopf verfügte noch über Bewegungsfreiheit. Leicht ängstlich sah er zum General auf. Hatte er etwa vor ihn jetzt zu töten?

Mit Schrecken stellte er fest, dass der Ritter einen Schritt zurückgewichen war und seinen Arm zur Seite ausgestreckt hatte. Eis bewegte sich um seinen Plattenhandschuh und wuchs zu etwas heran, was die Form eines Schwertes annahm. Ein riesiges Schwert, welches kurz in einem bläulichen Licht strahlte und anschließend aus schwarzem Stahl bestand. Die Verzierung der Waffe bestanden ebenfalls aus einem Totenkopf. Zudem waren noch Runen zu erkennen, welche in diesem eisigen Blau leuchteten.

Langsam richtete Boron das Schwert auf den Hyuuga. Die Spitze der Waffe hielt er unter das Kinn des Ninjas und drückte dies etwas rauf, damit der Junge Mann ihm ins Gesicht sehen musste. „Bist du wirklich sicher, mit deiner Entscheidung? Noch kannst du es dir anders Überlegen.“, fragte der General in einem ehrlich gemeintem Ton. Er war gespannt auf die Antwort und auch auf das, was als nächstes alles passieren würde. Er hatte nicht wirklich vor sein Opfer zu töten, doch das wussten die anderen Ninja ja nicht, daher musste er schauen, das er seine Hinrichtung noch etwas hinaus schob, damit sie ihren Freund auch befreien konnten. Notfalls ging er einfach zu seinem Ersatzplan über.

Da der Ninja keine Antwort geben wollte, hob er nun sein Schwert an und brachte es in die Position für einen Todesstoß. Das Leuchten seiner eisblauen Augen verdeckte sehr gut, wohin er genau sah, womit er genau beobachten konnte, was die Anderen trieben. Sie wollten ihren Freund retten, das war klar. Alle stürmten sie auf ihn zu.

„Letzte Chance. Bekomme ich eine Antwort?“, fragte er erneut und diesmal spie ihm sein Opfer die Antwort direkt entgegen: „Niemals!“

Noch bevor Boron darauf weiter reagieren konnte, wurde er von etwas getroffen. Der Ninja mit den Holzfähigkeiten hatte ihn mit einigen starken Ranken einige Meter zur Seite gestoßen, womit sein Opfer nun außerhalb seiner Reichweite war. Er wusste, sie würden ihren Freund retten. Sich wieder auf die gleiche Person zu stürzen wäre schwachsinnig. Wer sollte er also als nächstes ärgern?

Sein Blick fiel auf eine Rothaarige mit Brille, welche ihm irgendwie bekannt vorkam. Sie hielt sich stark im Hintergrund und war offenbar keine Kämpferin. Vielleicht dienten ihre Fähigkeiten der Gruppe ja auf eine andere Art. Wäre sie schwach, hätten sie die Frau sicher nicht mitgenommen.

Ein Wink mit der Hand folgte und eine Eisschicht bildete sich, welche die Ninja an Ort und stelle festfror. Langsam, immer weiter, kroch das Eis an ihnen hinauf, bis sie schließlich alle bis zur Hüfte in einem Eisblock festsaßen. Alle, bis auf die Rothaarige, welche im Anschluss darauf von Boron als nächste Geisel genommen wurde.

Ein dunkler Strahl schoss aus seiner Hand und traf die Frau am Hals, darauf begann sie zu schweben. Entsetzt griff sie nach ihrem Hals und versuchte Panisch das Etwas wieder loszuwerden. Belustigt schaute Boron dabei zu, wie sie nach Luft schnappte. In diesem Zustand konnte sie kaum Atmen. Sie konnte froh sein, dass er ihr überhaupt etwas Atem genehmigte. Aus dem Augenwinkel betrachtete er, wie einer der Ninja vor Wut schnaubte. Seine Augen hatten sich verändert und waren von Schwarz zu Rot gewechselt, kurz darauf waren sie wieder Schwarz, doch mit einem seltsamen roten Stern in der Mitte. Eine große lilafarbene Gestalt aus purer Energie schoss aus dem Mann heraus und zertrümmerte das Eisgefängnis, welches diesen umgeben hatte.

Wütend sprang der Ninja auf Boron zu und das lila Wesen kam mit ihm. Eissplitter flogen ihm entgegen, prallten jedoch an der Energie des Wesens ab. Was auch immer es war, es schützte seinen Herrn.

„Sasuke, sei Vorsichtig!“, rief jemand von den Anderen, doch der Angesprochene schien nicht darauf zu reagieren. Er eilte weiter auf Boron zu um seine Liebste zu retten.

Kurz bevor Sasuke bei seinem Ziel ankam sammelte Boron seine Kraft in seinem Schwert. Dies Spitze seiner Waffe zeigte auf den Boden. Es wartete auf einen Einsatz und gierte nach Blut. Die Waffen der Todesritter hatten ein gewisses Eigenleben und es benötigte eine starke Hand und einen noch stärkeren Charakter um diese Waffen gezielt zu führen. Wenn man zu Schwach war konnte es passieren, dass man von seiner Waffe geführt wurde.

Mit einem Ruck hob der General seinen Partner aus Stahl an. Die Schwert durchstieß das lilafarbene Wesen und zertrümmerte es. Die Spitze durchtrennte den Stoff des Mantels, sowie der darunter liegenden Kleidung und hinterließ einen langen blutigen Streifen, welcher sich von der linken Hüfte bis hin zur rechten Schulter zog.

Von dem Geschehenen geschockt, starrten alle auf Sasuke, welcher nun vor ihren Augen zusammenbrach. Wie schwer er verletzt war, konnten sie nicht sagen und auch helfen konnte ihm niemand, da sie alle in ihren Eisblöcken festsaßen. Einzig Karin war davon nicht betroffen, doch diese hatte andere Probleme. Sie wurde noch immer von Boron mit einer seltsamen Fähigkeit in der Luft gehalten.

„Ihr seid nichts weiter als ein Haufen von Schwächlingen! Ich ziehe meine Mission zurück. Kehrt Heim, denn hier erleidet ihr nur einen sinnlosen Tod.“, sprach der General und ließ zur Überraschung der Ninja von Karin ab, welche sich unter Tränen zu ihrem Mann begab.

„W-Was? Du bist unser Informant?“, wollte Shikamaru von dem Ritter wissen und starrte diesen Fassungslos an. Damit hatte wohl niemand von ihnen gerechten.

Leicht drehte Boron den Kopf und schien nun genau in die Richtung zu schauen, aus welcher die Frage gekommen war. Erneut erklang seine eisige Stimme, welche nun jedoch an Bosheit verloren hatte. An ihrer Stelle schwang ein trauriger Unterton mit: „Ja. Dieser Kampf war nichts weiter als ein Test. Ihr musstet verstehen, womit ihr euch anlegt, wenn ihr diese Mission ausführen wollt. Und ich musste wissen, ob es sich lohnt, euch gewähren zu lassen. Ich gab euch diesen Auftrag, doch ihr seid nicht einmal dazu fähig mich zu besiegen. Meine Herrin ist noch weitaus mächtiger als ich.“

„Und warum hast du ihn dann getötet?“, fragte Shikamaru weiter und deutete auf den Uchiha.

Nicht der General antwortete auf diese Frage, sondern Karin, welche sich liebevoll um ihren Mann kümmerte: „Sasuke ist nicht tot. Die Verletzung ist nur oberflächlich. Schock und Schmerz haben ihn umgehauen und diese abartige Kälte hat ihm dann den Rest gegeben. Er ist nur bewusstlos.“

„Kami sei Dank!“, seufzten einige und schienen deutlich erleichtert. Allerdings saßen sie noch immer in ihren Eisblöcken fest und konnten sich nicht bewege. Dem General fielen ihre Blicke auf und er löste seinen Zauber und die Eisblöcke lösten sich auf.

„Warum?“, fragte Sakura den Ritter und sein Blick wandte sich in ihre Richtung. „Warum willst du, dass wir deine Herrin töten?“

„Ich will endlich wieder frei sein und das wollen auch die anderen Ritter. Wir wurden gegen unseren Willen zu ihren Sklaven und sind gezwungen uns ihrem Willen zu beugen.“, war seine Antwort darauf und er wandte sich zum gehen. Nach einer halben Wendung hielt er jedoch nochmals kurz inne und sprach die Ninja erneut an: „Eines will ich euch noch mitgeben: Solltet ihr euch doch dafür entscheiden diesen Auftrag zu Ende zu führen und dem Palast zu stürmen, dann kann ich nicht dafür garantieren, dass ich euch nochmal am Leben lasse. Ich bin auch nur ein Sklave der Königin. Wenn sie mir befielt euch zu töten, so werde ich dies tun. Gegen einen direkten Befehl kann ich mich nicht zur Wehr setzten.“ Mit diesen Worten entfernte sich Boron und auch die Eismauer fiel in sich zusammen.

Einige dutzend Meter weiter erhob er sein Schwert und es begann in einem hellen Blau zu leuchten. Darauf stieß er es in das Eis. Einen kurzen Moment passierte nichts. Dann begann plötzlich die Erde zu beben. Das Eis und der Schnee bekamen Risse und nur wenige Meter vor dem General brach eine Kreatur aus dem Boden. Es war ein riesiges Drachenskelett mit ähnlichem eisblauem Schimmer, wie die Augen des Generals. Sein Schwert verschwand und er stieg auf den Kopf des Drachens, welche darauf mit seinem Herrn davon flog.

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