Ein Grund zu Leben #3

Meine Genin

Genervt folgte ich dem Hokage durch das Dorf, während er mir von den Vorzügen meiner Kunoichi erzählte. Das Mädchen schien ja einiges an Talent zu besitzen, zumindest schien er sehr von ihr überzeugt. Ich werde mir wie immer mein eigenes Bild machen. Seine Vorschlag, sie zu einer Medi-Nin ausbilden zu lassen, klang aber auf jeden Fall schon mal nicht schlecht.

Vor ihrem Elternhaus angekommen, gingen die Erläuterungen über Familie Haruno auch direkt weiter. Das Gebäude besaß drei Stockwerke. Im Erdgeschoss befand sich ein Friseur Salon, welcher offenbar von der Mutter geleitet wurde. Der Vater war als Bauarbeiter tätig. Die Eltern bewohnten mit Sakura zusammen das Stockwerk darüber und das Dachgeschoss war vermietet.

Schön … Und wozu erzählte er mit das? Mir hätte völlig gereicht, wenn er mir gesagt hätte, wo ich klingeln muss. Der Rest davon interessierte mich nicht im geringsten. Mal abgesehen davon, dass er mir die wirklich wichtigen Dinge eh nicht sagen konnte. Die würde ich selbst herausfinden müssen, oder von Sasuke erfahren. Er kannte sich mit seinen Klassenkameraden immerhin am Besten aus.
Einige Minuten später kamen wir dann bei der Wohnung von Naruto an. Diese befand sich in einer Gegend, die rein äußerlich schon nicht appetitlich aussah. Unrat lag herum, Müllsäcke türmten sich und verbargen mit Sicherheit nicht nur ein Rattennest. Dafür liefen hier eindeutig zu viele von diesen kleinen Mistviechern umher. Manche von denen hatten eine Größe, bei der man sich ernsthaft fragen musste, ob die wirklich noch als Ratte durchgehen.

Und in so einer Umgebung musste mein kleiner Bruder hausen? Wenn es außerhalb der Wohnung schon so schlimm war, wie sah es dann wohl drinnen erst aus? Ich war mir nicht sicher, ob ich es wirklich wissen wollte. Allerdings musste ich möglichst alles über Naruto erfahren, um eine Beziehung zu ihm aufbauen zu können – und wenn es vorerst nur eine Lehrer/Schüler Verhältnis ist. Ich versteh noch immer nicht, warum ich ihm nicht sagen darf, dass ich sein Bruder bin, aber was soll’s. Irgendwann erzähle ich es ihm trotzdem.

Der Weg durch die Haustür und den kleinen Flur entlang war der reinste Hindernislauf. Die Tür war nicht einmal abgeschlossen gewesen. Auch hier drin türmten sich die Müllberge. Ratten und anderes Ungeziefer koch umher. Als wir genau zwischen zwei Türen standen, wehte uns ein Lufthauch entgegen, der eine unangenehme Duftmischung aus verfaulten Eiern, totes verwesendes Tier und Exkrementen mit sich brachte. Es stank bestialisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass in dieser Bude noch jemand wohnte. Ich wollte ich es mir auch nicht vorstellen – und schon gar nicht, dass dieser Jemand Naruto sein sollte.

Alles in mir schien danach, diesen Ort schnellstens zu verlassen. Es war mehr als abartig, was ich hier zusehen bekam. Bisher war mein Blick überwiegend auf den Boden gerichtet, damit ich allen Stolperfallen entkommen konnte. Nun lenkte der Hokage meine Aufmerksamkeit auf die Wände. Auch sie waren beschmutzt, doch nicht nur von Unrat. An vielen (oder eher an allen) Wänden stand etwas geschrieben. So ziemlich Überall konnte man die Worte „Monster“, „Verschwinde“ und Wir wollen dich hier nicht!“ lesen. An einigen Stellen standen Verwünschungen, an anderen las ich Hassparolen.

Ein kurzer Blick in jeden Raum verriet mir, dass dies in der gesamten Wohnung der Fall war. Jede Wand war beschmiert, jedes Möbelstück zu Kleinholz zerschlagen. Überall lag Müll herum. In dem Raum, welcher wohl mal das Schlafzimmer war, hatte ich sogar Überreste eines großteils zerstörten Kuscheltiers entdeckt. Was hatten sie diesem Kind nur angetan?

Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen und ein bitterer und widerlicher Geschmack breitete sich auf meiner Zunge aus. Ich musste schnellstens hier raus! Und gleich darauf war ich dann auch schon draußen und hockte mich einige dutzend Meter die Straße hinauf an den Zaun. Hier war es weniger eklig und hier roch es auch wieder normal. Der Hokage war mir natürlich gefolgt und betrachtete mich.

Mir war zum Kotzen zumute und das sah man mir wahrscheinlich auch an. Ich konnte selbst fühlen, dass mir die Farbe aus meinem ohnehin schon recht blassem Gesicht gewichen war. Zudem kamen die besorgten Blicke des Sandaime. Diese Wohnung hatte es echt in sich gehabt, doch das mulmige Gefühl in meinem rebellierenden Magen kam nicht allein von dem, was ich mir eben ansehen musste.

Allein schon beim Gedanken daran, dass Jahrelang nicht besser war, als die Dorfbewohner und Naruto gleichermaßen verurteilt habe, drehte sich mir der Magen um. Ich hörte, was sie über das kleine Monster erzählten. Wie sie ihn verspotten und ihm den Tod wünschten. All die Jahre habe ich ihnen einfach geglaubt, statt mir den Jungen einfach selbst mal anzusehen. Mir meine eigene Meinung zu bilden. Ich hatte nicht das Recht dazu mich jetzt in sein Leben zu zwängen, wo ich doch genau so falsch gedacht und gehandelt habe. Und diesen Jungen sollte ich jetzt die nächsten Wochen und Monate fast täglich um mich haben? Wie sollte ich ihm nur gegenüber treten, ohne mich dabei zu verraten?

„Ich kann nicht glauben, dass Naruto dort drin leben soll.“, gab ich leise, fast schon flüsternd von mir.

„Genau genommen tut er das auch nicht. Das ist seine Wohnung. Jeder im Dorf weiß das. Das letzte Mal, dass Naruto sie betreten hat, ist jedoch schon viele Jahre her.“, offenbarte der Sandaime mir und klang dabei irgendwie traurig. Auch ihn schien es zu belasten, wie Naruto behandelt wurde. In der Vergangenheit musste wirklich einiges schief gelaufen sein, damit dies alles derart extrem aus dem Ruder laufen konnte.

Wenn Naruto hier nicht mehr herkam, musste er wohl woanders untergekommen sein. Hoffentlich war dies ein besserer Ort, als dieser. „Und wo wohnt er jetzt?“

„Das wissen wir nicht.“, gab der Hokage seufzend zu und schien sogar noch etwas bedrückter als zuvor.

„Wie, das wisst ihr nicht? Ihr seit der Hokage. Wo wer wohnt, dass steht doch in eurer Bewohner-Liste.“ Wie konnte er nicht wissen, wo Naruto wohnt? Das wäre höchstens Möglich, wenn Naruto in einem anderen Dorf leben würde, aber dann würde er ja nicht hier auf die Akademie gehen um Ninja zu werden. Und dann hätte ich ihn auch nicht in meinem Genin Team!

Der Sandaime schien genau zu überlegen, was er nun von sich gab. Zumindest sah es so aus. Er zeigte mal wieder seine typische gerunzelte Denkerstirn. Da war ich jetzt mal gespannt, wie er das erklären wollte. Allerdings hatte ich nicht erwartet, dass mich schon der erste Satz so aus Socken hauen würde. „Genaugenommen ist Naruto kein richtiger Bewohner dieses Dorfes mehr.“

»Ach, ist er nicht? Und was ist er dann?« Wie genau er dies meinte, konnte ich mir nicht so ganz vorstellen, doch ich sollte es ja zum Glück noch erfahren.

„Morgens kommt er zur Akademie, sitzt dort seine Zeit ab und dann verlässt er das Dorf wieder. Er geht in den Wald und kommt immer erst am nächsten Morgen zurück, wenn er wieder zur Akademie geht. An den Wochenende sieht man ihn überhaupt nicht. Wo genau er sich in der Zeit aufhält, dass wissen wir nicht. Auch nicht, wo er schläft. Nicht mal die ANBU konnten ihn aufspüren, um sich ein Bild von ihm und seinem derzeitigem Leben zu machen.“, berichtete der Hokage und warf mir dann einen musternden Blick zu. Er versuchte wohl meine Reaktion einzuschätzen, aber da konnte er lange mustern. Ich konnte nämlich gar nicht reagieren.

Das momentanen Lebensumstände meines Bruders waren zu unfassbar, um darauf überhaupt reagieren zu können. Der Junge lebte im Wald? Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ein Dorf in der nähe konnte es jedenfalls nicht sein. Selbst die näher gelegenen Dörfer waren alle zu weit entfernt. Aber allein im Wald? Ein Kind? Wie lange lebte er den schon so? Und vor allem, was konnte er alles? Wenn er sogar die ANBU abhängen konnte, musste er einiges drauf haben. Leider hatte ich mir Narutos Akte nicht genauer angesehen, was ich nun bereute.

„Wie ist Naruto so?“, wandte ich mich an das Dorfoberhaupt. Ein Bisschen was wollte ich nämlich schon über ihn wissen, bevor ich ihm begegnete.

„Allgemein weiß man über ihn nur sehr wenig. Er ist sehr zurückhalten, fast schon scheu. Redet fast nur, wenn er gefragt wird und sehr selten mal aus eigenem Antrieb. Sein Sensei in der Akademie meint zudem, dass Naruto zwar nach außen hin recht gelassen wirkt, auf ihn jedoch einen eher verspannten Eindruck macht, als würde er jederzeit einen Angriff erwarten. Von seinen schulischen Leistungen her, ist er gleichauf mit Sasuke. Sowohl theoretisch, wie praktisch. Was genau er alles kann, wissen wir jedoch nicht.“, erzählte mir der Sandaime. Diese kurze Zusammenfassung reichte mir schon aus, um zu wissen, dass ich es hier mit einem talentierten, aber auch komplizierten Schüler zu tun hatte. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Junge mir ähnlicher war, als ich es selbst wollte.
Nach der sehr unangenehmen Wohnungsbesichtigung hatte ich noch einige Minuten gebraucht, bis sich mein Magen wieder halbwegs beruhigt hatte. Etwas Restübelkeit beliebt jedoch beharrlich vorhanden, was den Gang zur Akademie nicht unbedingt angenehmer gestaltete. Ich musste mein Team abholen. Die Kinder warteten schon seit Stunden auf mich – und würden wohl auch noch weiter warten, wenn ich das wollte.

Allerdings wollte und durfte ich sie auch nicht zulange warten lassen. Da Naruto offenbar im Wald lebte, würde es für ihn schwierig werden, dass Dorf zu verlassen, wenn ich diese Begegnung zulange hinauszögerte. Nach Einbruch der Dunkelheit wird man nämlich ausschließlich mit Genehmigung aus dem Dorf gelassen und ich wusste nicht, ob Naruto so eine besaß. Ihn dazu zu zwingen, die Nacht im Dorf zu verbringen, weil ich viel zu spät aufgetaucht war, wäre keiner guter Start für die Zusammenarbeit.

Mit jedem Schritt, den ich mich dem Schulgebäude näherte, schienen meine Füße etwas mehr zu wiegen. Gleich würde ich Naruto kennen lernen. Meinen kleinen Bruder, dem ich nicht sagen durfte, was für eine Bindung ich zu ihm habe. Weshalb ich ihn auch nicht anders behandeln durfte, als meine anderen beiden Schüler.

„Du kommst spät.“, erklang eine Stimme unweit von mir, als ich durch den Hauptflur des Schulgebäudes streifte. Sie gehörte zu Iruka Umino, welcher meine drei Schüler die letzten Jahre in der Akademie bereut hatte. Von allen Menschen im Dorf, kannte er meine Genin wohl am Besten.

„Das Gespräch mit dem Hokage hat länger gedauert.“ Dass ich zu diesem Gespräch schon um Stunden zu spät kam, musste er ja nicht wissen, obwohl er es sich bei meinem Ruf wohl auch selbst denken konnte.

„Sie sind noch immer im Klassenraum und warten.“, seufzte er und wand sich dann zum Gehen. „Wenn ich dir noch einen Tipp bezüglich Naruto geben darf … Versuch erst gar nicht an ihn heran zu kommen. Ich hab mir viel Mühe gegeben eine Bindung zu ihm aufzubauen, doch er hat jegliche versuche komplett abgeblockt. Ich weiß jetzt nach 5 Jahre genau so wenig über ihn, wie zu Anfang.“

Dann setzte er sich in Bewegung und ging langsam den Gang entlang zur Tür. Bevor er das Gebäude verließ drehte er sich noch einmal zu mir. „Falls du es doch versuchen möchtest, so kann ich dir nur viel Glück wünschen. Du wirst es brauchen. Auch wenn ich keine Hoffnung habe, dass es dir gelingen wird. Die Kinder sind oben, 2. Stock und dritter Raum links.“ Danach verschwand er gänzlich aus dem Gebäude.

Das waren ja wahrlich fantastische Aussichten. Seufzend setzte ich mich Richtung Treppen in Bewegung und dachte ein weiteres Mal über meinen kleinen Bruder nach.

Langsam verstand ich, warum ich ihm noch nicht sagen sollte, dass ich sein älterer Bruder war. Er war eigentlich immer von allen verhasst und gemieden. Seine Existenz wurde nie akzeptiert und man wünschte ihm sogar den Tod, weshalb er damit begonnen hatte, sich weitgehendst abzukapseln und den Wald bevorzugte. Ihn jetzt damit zu überfallen, dass es für ihn doch Familie gibt, würde er wohl nicht verstehen oder gar glauben. Ich würde ihn mit dieser positiven Nachricht wohl mehr verletzten, als dass sie ihm gut tun würde.

Schneller als es mir bewusst war, hatte ich dann den richtigen Raum erreicht. Kurz horchte ich an der Tür, doch es war alles ruhig. Ob sie wirklich noch da waren? Und das waren sie, denn kaum hatte ich den Raum betreten, wurde ich auch schon von der Kunoichi empfangen und ausgeschimpft. Jetzt ohne scheiß! Da baut sich doch tatsächlich dies junge Mädchen vor mir auf und meint mir eine Predigt über Pünktlichkeit halten zu müssen. Damit wäre das nun schon die zweite am heutigen Tag. Aber soll sie ruhig reden, ich höre bei so etwas eh nur mit halben Ohr zu.

Während Sakura ohne Punkt und Komma weiter zeterte, ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Kurz blieb er an Sasuke hängen, der das Schauspiel äußerst amüsiert betrachtete und einige Mühe hatte, sich ein Lachen zu verkneifen. Er kannte mich ja schon länger und wusste, wie ich bin … und von meiner Unpünktlichkeit.

Und dann erreichten meine Augen Naruto.

Er hatte es sich in der hintersten Tischreihe gemütlich gemacht. Dort lehnte seinen Stuhl leicht kippelnd an der Wand, die Füße lagen auf dem Tisch, die Arme waren vor der Brust verschränkt und der Kopf war dem Fenster zu gewannt. Nicht das geringste Interesse für seine Umgebung schien bei ihm vorhanden. Er sah mich nicht an, zeigte keinerlei Reaktion, weil ich nun endlich auch mal angekommen war, oder weil Sakura noch immer mit ihrer Schimpftirade beschäftigt war. Ihm war es offenbar egal.

Mich interessierte nun stark, wie er auf Anweisungen reagierte. Würde er diese auch ignorieren? Oder ignorierte er im Moment nur uns und wartete, bis etwas wichtiges gesagt wurde? „Wir treffen uns in fünf Minuten auf dem Dach.“, ordnete ich an und verschwand auch sogleich aus dem Raum.

Am Treffpunkt tauchte ich wieder auf und besah mich der Uhrzeit. Fünf Minuten waren nicht viel, doch es war mehr als ausreichend für drei Genin, um auf das Schuldach zu gelangen, zumal sie ja die Treppe nehmen konnten. Ich war gespannt, was ich bei dieser Vorstellungsrunde gleich alles in Erfahrung bringen konnte. Oder ob ich überhaupt etwas erfahren konnte, was ich noch nicht wusste.

Überraschenderweise war Naruto sogar der erste meiner Schüler, der sich auf der Dachterrasse einfand und sich lässig an die Brüstung lehnte. Kurz darauf folgten auch Sasuke und Sakura, die sich auf den Bänken niederließen. Es waren gerade mal zwei Minuten vergangen. Anweisungen wurden also befolgt, sogar von Naruto. Das war schon mal ein gutes Zeichen.

„So, nun stellt euch erst mal vor. Einer nach dem anderen.“, wies ich meine Schüler an und lehnte mich entspannt zurück. Wieder machte Naruto den Eindruck, als wäre ihm dies alles und ich bin besonderen vollkommen egal. Ich war wirklich mehr als gespannt, was ich gleich alles zuhören bekommen würde.

Meine Schüler, zwei von ihnen zumindest, schienen etwas unschlüssig. „Wir sollen uns vorstellen? Was sollen wir den sagen?“, wollte Sakura dann nach einigen Momenten wissen.

Ach du meine gute! Und so etwas soll den Abschluss mit Bestnote gemacht haben? Was ist an einer Vorstellung den bitte so schwer? „Eure Namen wären schon einmal nicht schlecht.“, begann ich und sah in zwei verwirrte grüne Augen, die offenbar noch immer nicht verstanden, was ihre Besitzerin tun sollte. „Erzählt was ihr mögt, oder was ihr nicht mögt. Hobbys, Wünsche oder auch Zukunftsträume. Das ist euch überlassen. Ich will euch nur etwas kennenlernen.“

„Dann fang doch gleich mal selbst an Kakashi.“, kicherte Sasuke vor sich hin und bekam direkt von Sakura eine Kopfnuss. Hach, ist das herrlich. Mit den beiden werde ich sicher noch meinen Spaß haben. Wäre nur schön, wenn Naruto auch mitziehen würde.

„Sasuke! Der Mann ist unser Sensei, vergiss das nicht!“, hörte ich Sakura sagen und musste unter meiner Maske nun auch etwas grinsen. Daher also die Reaktion. Sasuke hatte eben das Sensei nicht benutzt.

Mein kleiner Zögling rieb sich leicht schmollend den Hinterkopf und sah recht genervt aus. „Ich kenne ihn schon länger als du. Kakashi ist seit dem Tod meiner Familie mein Vormund und bisher hatte er nie was dagegen, wenn ich keine Anrede benutze.“, erzählte er dann und sorgte damit bei Sakura für große Augen. »Ja Mädel, da staunst du!«

„Und das habe ich auch jetzt nicht, aber das gilt nur für Sasuke.“, stellte ich darauf klar und beobachtete dabei Naruto etwas aus dem Augenwinkel. Noch immer zeigte der Junge keinerlei Reaktion. Schon irgendwie seltsam.

Nun gut, wenn Sasuke es so wollte, dann begann ich halt selbst mit der Vorstellung. „Was meine Person betrifft. Meine Name ist Kakashi Hatake. Was ich mag, was ich nicht mag und meine Zukunftsträume geht niemanden etwas an.“ Tja, was soll ich sagen … Ich stelle mich halt nur ungern vor – und je weniger sie über mich wissen, um so besser!

„Sehr aufschlussreich.“, gab Sasuke darauf mit einem leichten Kopfschütteln von sich, ehe sein Blick auf Sakura hängen blieb. „Mach du weiter, Ladys First.“

Das hätte er wohl eher nicht sagen sollen, denn Sakura lief nicht nur knallrot an und sah dabei aus wie eine überreife Tomate. Sie bekam auch plötzlich so einen Blick, der typisch für schwer verliebte Mädchen war – und glaubt mir, diese kenne ich nur zu gut. Früher sind mir die Mädchen in schwärmen nachgelaufen, bis ich mich irgendwann mal als Schwul geoutet habe, um meine Ruhe zu haben. Gut, Schwul bin ich jetzt zwar nicht, glaube ich zumindest, aber mit diesem Beziehungsquatsch kann ich einfach nichts anfangen.

Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefangen hatte und damit begann sich vorzustellen. „Mein Name ist Sakura Haruno. Ich mag Sasuke …“ Bei dem Namen Sasuke schielte sie knallrot zu ihm rüber. „ … und Naruto mag ich irgendwie auch.“ Nun schaute sie zu besagter Person, die zum ersten Mal überhaupt eine Reaktion auf etwas zeigte. »Tja, kleiner. Damit hast du wohl nicht gerechnet. Es gibt ein Mädchen, das dich mag.«

Das nächste, was dann kam, überraschte mich dann doch etwas. „Was ich nicht mag ist auch wieder Naruto.“

»Ähm, hä?« Was hab ich denn jetzt verpasst? Hatte sie nicht eben noch gesagt, dass sie ihn mag? Diese jungen Mädchen sind seltsam. Mädchen im allgemeinen sind seltsam! Aber gut, ich bin ein Kerl. Ich muss die Weiber nicht verstehen.

Offenbar war Sasuke deswegen genauso verwirrt wie ich, nur konnte er es sich nicht verkneifen deswegen nachzufragen. „Du magst ihn und magst ihn doch nicht? Muss man das verstehen?“

Die Kunoichi schien ernsthaft mit sich selbst zu ringen. Man konnte ihr förmlich ansehen, wie sie mit sich selbst kämpfe. Eine Seite schien dann gewonnen zu haben, die Selbstbewusste, wie es aussah, denn sie wand sich direkt an Naruto, der sie noch immer ansah. „Jetzt mal ehrlich. Ich finde dich ja ganz süß, aber könntest du dich vielleicht ab und zu mal duschen und deine Kleidung waschen? Dein Sinn für Hygiene ist echt abartig!“

Trotz dieser sehr direkten Worte kam von Naruto jedoch keinerlei Gefühlsregung. Er stempelte die Aussage mit einem leichten Grummeln ab und wand sich dann wieder von ihr ab.

Da in der Richtung keiner weiter etwas sagen wollte, kamen wird zur Thema Vorstellung zurück. Etwas fehlte mir bei Sakura noch. „Und was ist mit Hobbys oder Wünsche?“

„Hm. Hobbys hab ich eigentlich keine, aber ich helfe meiner Mutter manchmal in ihrem Salon, das macht Spaß. Und Wünsche … Ich hab zwar einen, aber den verrate ich nicht. Das ist mir peinlich.“ Bei den letzten Worten war sie wieder knallrot geworden, hielt sich beide Hände vors Gesicht und schielte zwischen zwei Finger zu Sasuke rüber. »Glaub mir, Mädel. Den Wunsch brauchst du nicht aussprechen, den sehe ich auch so.«, seufzte ich gedanklich, und wand mich dann meinem nächsten Schüler zu.

„Ich bin Sasuke Uchiha. Was ich nicht mag, sind nervige Fangirls.“ Dabei schielte er äußerst genervt zu Sakura, was mich zum Grinsen brachte. „Ansonsten mag ich es zu trainieren, weil ich später meinen Clan wiederaufbauen möchte – und dafür muss ich stark sein.“

Bei Sasuke war es für mich nichts neues. Ich kannte ihn einfach schon zu lange, als dass mich diese Aussagen überrascht hätte – aber nun weiß ich endlich, welches seiner Fangirls ihm am Meisten nervt. Bisher hatte er ihren Namen nämlich immer geheim gehalten. Ob er sich wirklich so von ihr genervt fühlt? Vielleicht ist er ja sogar in sie verknallt? Die Zeit wird es zeigen.

„Naruto, du bist dran mit vorstellen.“ Keine Reaktion. Mittlerweile war ich mir ziemlich sicher, dass Naruto genauestens mitbekam, was hier gesagt wurde. Demnach musste er auch wissen, was wir von ihm erwarteten – und doch schien es ihm egal zu sein. Auch nach einigen Minuten machte er noch keine Anstalten, meiner Aufforderung nachzugehen. „Naruto?“

„Wozu? Ihr wisst doch wer ich bin.“ Äußerlich war ihm noch immer keine Gefühlsregung anzusehen, doch an seiner Stimmlage war deutlich zu erkennen gewesen, wie genervt er von dieser Aufforderung war.

„Ja, ich weiß, wer du bist – aber ich möchte dich trotzdem kennenlernen.“ Nun öffnete er seine Augen und schaute mir zum ersten Mal direkt ins Gesicht. Unglauben las ich in seinen Seelenspiegeln, Verwirrung und wenn mich nicht alles täuschte sogar auch etwas Furcht. Die alles konnte man aber nur in seinen Augen sehen. An seiner Körperhaltung war noch immer kein Emotion erkennbar.

„Wenn sie wissen wollen, wer ich bin, dann erzählen sie erst mal, wer sie sind!“, forderte er darauf hin. Diesmal konnte ich deutlichen Trotz aus seiner Stimme heraushören.

Irgendwie ahnte ich, dass er nichts über sich erzählen würde, solange er nicht mehr über mich wusste. In seiner Lage hätte ich wohl nicht anders gehandelt. Dennoch versuchte ich ihn zunächst aus der Reserve zu locken. Vielleicht erzählte er ja doch etwas über sich. „Ich habe mich schon vorgestellt.“

„Bis auf ihren Namen habe ich aber nichts über sie erfahren. Erzählen sie was von sich, dann erzähle ich auch – Vielleicht! – etwas über mich, was sie noch nicht wissen.“ Geschickt ausgedrückt, dass musste ich ihm lassen. Dann musste ich mich wohl nochmal vorstellen. Anders kam ich bei ihm nicht weiter.

„Also gut. Meinen Namen kennst du ja schon. Ich mag meine Freunde und Familie, von denen mein kleiner Bruder der Einzige ist, der noch lebt. Was mich extrem stört ist, dass mein Bruder nicht einmal weiß, dass es mich gibt – und dass ich es ihm auch nicht erzählen darf. Wünsche oder Träume habe ich keine, da ich schon vor vielen Jahren aufgegeben habe an eine bessere Zukunft zu glauben.“

Gespannt wartete ich auf eine Reaktion von Naruto, doch er schaute mich noch immer vergleichsweise Emotionslos an, während meine anderen beiden Schüler recht verwundert drein schauten. Zugern würde ich jetzt den Gedanken meines Bruders lauschen können. Was jetzt wohl in seinem Kopf vor ging? Mir blieb nun nichts weiter, als zu hoffen, dass auch er etwas erzählte.

Einige Momente später begann Naruto wirklich damit, etwas zu erzählen. „Ich mag den Wald und die Ruhe dort. Wenn Stundenlang nichts anderes zuhören ist, als der Wind, der die Blätter zum Rascheln bringt, oder die Vögel, die ihre Lieder singen. Die Tiere im Wald, die sich an meiner Anwesenheit nicht stören – und meinen kleinen Freund Kurama.“ Seine Hände langten nach hinten zur Kapuze seines Pullovers und zupften etwas daran.

Kurze Zeit später regte sich etwas darin und ein kleiner rötlicher Kopf lugte daraus hervor, der eindeutig zu einem Fuchs stammte. Kurz darauf erschien auch der Rest des kleinen Tieres, welches nun auf der Schulter von Naruto saß und sich an seinen Hals schmiegte. Der Fuchs war noch sehr klein und schien selbst noch ein Kind zu sein.

„Was ich nicht mag ist das Dorf. Der Lärm … Die vielen Menschen … Die Bewohner an sich. Ich bin nicht gern hier. Am Liebsten würde ich es komplett meiden, doch das geht nicht, da der Rat mich dazu zwingt für das Dorf als Ninja zu arbeiten.“ Soviel Schmerz lag in der Stimme, als diese Worte über seine Lippen kamen und die Traurigkeit in seinen Augen war überdeutlich zu erkennen.

Und da war sie wieder, meine Übelkeit. Bisher hatte ich sie gut verdrängt gehabt, doch nur war sie wieder vollständig zurück, so dass ich einiges an Mühe aufbringen musste, mir nichts anmerken zu lassen. Nun wo ich ihn selbst über das Dorf reden gehört hatte, viel es mir noch um einiges schwerer.

„Was ist mit Träumen oder Wünschen?“, wollte Sakura wissen, als von Naruto nichts mehr zu hören war. Ich weiß, sie hatte nur gefragt, damit er seine Vorstellung noch komplettierte und weil sie auch sicher nicht wusste, woher seine Abneigung gegen das Dorf kam und wie extrem sie war. Doch in diesem Moment wünschte ich, sie hätte es nicht getan.

Der vernichtende Blick, welchen er ihr deswegen zuwarf hatte nicht nur sie zusammenzucken lassen, sondern Sasuke und mich ebenfalls erschreckt. Nicht weniger erschreckend war die Kälte in seiner Stimme. „Ich habe keine Träume, nur Albträume – und glaub mir, die willst du sicher nicht wissen.“

Das war echt gruselig. Kaum zu glauben, dass ein Junge in diesem Alter schon einen derart fiesen Blick drauf hatte – und dann die Kälte in seiner Stimme. Bildte ich mir das nur ein, oder lief mir jetzt wirklich der Angstschweiß den Rücken runter. Mein Shirt fühlte sich jedenfalls verdächtig feucht an.

Bevor es noch schlimmer wurde, sollte ich diese Vorstellungsrunde wohl besser auflösen. Ich hatte ja alles erfahren, was ich wissen wollte. „So, es ist schon spät. Ich würde mal sagen, wir machen Schluss für heute. Wir sehen uns dann morgen früh um 6 Uhr auf Trainingsplatz 7.“ Meine Schüler waren von dieser Idee sichtlich begeistert und es dauerte nur wenige Augenblicke, da hatten sich Sakura und Sasuke auch schon verkrümelt.

Mein Brüderchen hingegen, bewegte sich nur gemächlich. Erstaunt beobachtete ich, wie er sich mit einem Ruck nach hinten warf und Rücklings über die Brüstung fiel. Kaum hatte ich den Punkt erreicht um nach ihm zu sehen, erblickte ich ihn auch schon, wie er relaxed die Straße entlang ging, als wäre nichts gewesen. Dieser Junge war wahrlich eine Wundertüte.

Ab ich ihm vielleicht folgen sollte? Die ANBU haben bislang ja nicht herausbekommen können, wie und wo er lebt. Vielleicht sollte ich mal mein Glück bei ihm versuchen. Einen kleinen Jungen zu verfolgen konnte ja nicht so schwer sein.

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