Another Vampire Story #9

Amüsiert beobachtete Naruto die Reaktionen der anderen beiden Weißhaarigen. Kakashi und Jiraiya saßen schweigend am Fußende seines Bettes. Die Köpfe leicht zur Tür gedreht. Aus dem Augenwinkel heraus fixierten sie den Rücken des alten Mannes, der langsam zur Tür schlürfte.
Sie lauerten. Beide hatten nicht mitbekommen, was Danzo wirklich zu Naruto geführt hatte. Bisher hatten sie sich eine Nachfrage verkniffen. Trotzdem wollten sie natürlich wissen, was in den Mann gefahren war.
Kaum war Danzo raus und die Tür hinter ihm geschlossen, reagierte Jiraiya als Erster. »Wieso war der überhaupt hier?«
»Und was hat der geraucht? Der ist doch sonst nicht so handzahm?«, kam es direkt darauf von Kakashi.
Eine Antwort bekamen sie vorerst jedoch nicht, denn die restlichen Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus.
»Der war gut, aber bei seinem sonstigen Verhalten kann man wirklich denken, dass der heute nicht ganz klar war«, antwortete Shizune schließlich. Sie kicherte allerdings noch immer.
»Danzo ist ebenfalls untot«, erzählte Tsunade grinsend.
»Jetzt im Ernst?«, kam es gleichzeitig von Jiraiya und Kakashi.
»Er ist eine Mumie«, klärte der junge Vampir die beiden auf.
Beide waren von der Information total verblüfft und konnten es nicht glauben.
»Und mit seiner sonst eher unausstehlichen Art, versucht er davon abzulenken. Eigentlich scheint er jedoch so zu sein, wie wir ihn heute kennengelernt haben«, fügte Shikaku hinzu.
»Eine Mumie. Wer hätte das gedacht?«, kam fast sprachlos vom Hatake.
»Es gibt ja viele, die ihn heimlich als Mumie bezeichnen, aber dass er wirklich eine ist. Unfassbar«, sprach darauf Jiraiya.
Natürlich wussten alle im Raum, was Jiraiya meinte. Zwar wurde Danzos besonderer Spitzname nur genutzt, wenn der Mann nicht anwesend war, aber natürlich wusste so gut wie jeder im Dorf, wer gemeint war.

Naruto hatte sich längst einem anderen Thema zu gewand. Auf ihn wartete so viel Neues. Es war ihm nicht einmal möglich, seinen eigenen Namen zu behalten. Die Alternative gefiel ihm allerdings, den Senko war nicht irgendein Name.
Einst hatten seine Eltern ihm einen Namen gegeben, den Jiraiya in seinem allerersten Roman für die Hauptfigur benutzt hatte. Dadurch war der Mann auch zu seinem Paten geworden. Jiraiya war nicht nur ein Freund seines Vaters gewesen, er war auch dessen Sensei. Und auch Kakashi war ein Teil der Familie. Er war Minatos Ziehsohn und Schüler. Das hatten sie ihm erzählt, als der neue Name feststand.
Kakashi war allerdings noch viel mehr. Er war der heimlicher Beschützer von Narutos Kindheit. Wahrscheinlich dachte der Mann noch immer, dass Naruto es nicht gemerkt hätte. Ohne Kuramas Hinweise hätte er das wohl auch nicht, aber die Nase des Fuchses konnte keine Maske betrügen. Er war einer seiner Lehrmeister. Ein Vorbild. Ein Freund.
Es schien Schicksal zu sein, dass ausgerechnet dieser Mann den Namen für Narutos Leben im Kreise der Untoten wählte. Und noch dazu einen, der seine Herkunft mit einbezog.
Ein anderes Thema, das dem Jungen durch den Kopf ging, war seine neue Ernährungsform. Er musste ab sofort jeden Tag Blut trinken. Früher hatte er sowas als ekelhaft abgetan. Für einen normalen Menschen war es das womöglich auch, doch jetzt als Vampir ekelte er sich kein bisschen davor. Es war eher faszinierend, wie viele verschiedene Geschmäcker er innerhalb der dunkelroten Substanz feststellen konnte, obwohl es bei allen Menschen gleich schmecken müsste. Allein in dem Tropfen von Iruka fanden sich bereits Rückstände aus süß, sauer und etwas Schärfe. Verwirrend war da nur, dass er bei Kakashi nichts dergleichen rausgeschmeckt hatte. Möglicherweise, weil es nicht direkt von ihm kam. Durch den Kühlvorgang waren diese Geschmacksstoffe wohl verloren gegangen.
»Du Tsunade? Wenn ich jetzt die nächsten Tage im Root bin. Wie mache ich das dann mit dem Blut?«, hackte Naruto während seiner Überlegungen nach. Er bezweifelte nämlich stark, dass die Roots sich freiwillig von ihm beißen ließen.
»Laut Danzo ist es egal, was für Blut du trinkst. Es müsste daher auch Tierblut gehen. Du kannst daher im Wald jagen gehen. Wenn das doch nichts ist, dann schickst du einfach Sai oder Danzo zu mir und ich geb ihnen dann was für dich mit«, erklärte die Senju darauf.
»Gut. Und was ist mit meinen Sachen? Als offiziell Toter wäre es definitiv unangebracht, wenn ich meine Wohnung allein räume«, dachte er weiter.
»Darum kann ich mich kümmern. Ich stell deine Sachen einfach erstmal zu mir in den Keller. Wenn du magst, kannst du auch später in mein Gästezimmer ziehen«, kam diesmal von seinem Namensgeber Kakashi.
»Du kannst auch zu mir ziehen«, meinte Iruka darauf und wirkte leicht eifersüchtig.
»Damit ich dir die ganze Nacht auf den Sender gehe?«, fragte Naruto darauf. »Ich dachte, du liebst deinen Job. Wenn ich dich nachts auf Trapp halte, bist du bald so unpünktlich wie Kakashi. Und bei ihm zu wohnen würde sich auf unsere Schlafmütze nicht auswirken. Der wäre nach wie vor zu spät, da merkt keiner was«, meinte Naruto mit fiesem Blick auf den Hatake.
Während Kakashi leicht eingeschnappt woanders hinstarrte, mussten Tsunade und Jiraiya lachen. Naruto (bzw Senko!) hatte schon recht mit seiner Vermutung.
»Na schön. Aber ich will dich hin und wieder auch sehen«, verlangte der Umino darauf.
Grinsend sah Naruto den Mann an. Er freute sich, dass er einige wirklich gute Freunde gefunden hatte, denen er auch etwas bedeutete. »Klar. Sobald ich wieder offiziell im Dorf eingegliedert bin, suche ich mir sofort etwas, wodurch wir uns möglichst regelmäßig sehen können.«
»Dafür wäre ich sehr dankbar.« Seufzend wand Iruka sich ab.
Für einen Moment dachte Naruto, er hätte den Mann sogar schluchzen hören. Tat es letztlich aber als Einbildung ab. Trotzdem war ihm klar, dass sein ehemaliger Sensei die Sache nahe ging. Sehr nahe. Wäre Naruto wirklich gestorben, absolut und endgültig, hätte es den Mann wohl sehr aus der Bahn geworfen.
Als er sih wieder Tsunade zu wand, weil er sie etwas fragen wollte, beobachtete er irritiert, wie sie sich mit Shikaku über eine Schriftrolle beugte.
»Und was macht ihr jetzt?«, wollte er wissen.
Sie ignorierten ihn allerdings und diskutierten miteinander über den korrekten Wortlaut von irgendetwas, dass Shikaku wohl aufschreiben sollte.
»Sie verfassen ein Testament, in dem du Kakashi alles vererbst. Dadurch ist er rechtlich abgesichert, wenn er deine Sachen mitnimmt und später kann er dir ja alles zurück vererben oder schenken«, erklärte Jiraiya ihm.
»Wie praktisch«, meinte Naruto nur und da fiel ihm auch wieder ein, was er eigentlich fragen wollte. Das hatte sich jetzt offenbar erledigt.
»Shikaku«, sprach er darauf den Nara an und wartete, bis dieser ihn ansah. »Es gibt eine Sache, die ich an Iruka vererben möchte. Wäre schön, wenn du das irgendwie einbauen kannst.«
»Natürlich. Du kannst so viele Personen in deinem Testament bestimmen, wie du willst«, erklärte der Mann ihm.
»In dem Fall habe auch noch etwas für Tsunade«, meinte Naruto grinsend und deutete auf die Kette um seinen Hals, die er mal von der Senju geschenkt bekommen hatte.

In der darauffolgenden halben Stunde fertigten sie das Testament in allen Einzelheiten an. Dem jungen Vampir waren noch mehr Dinge eingefallen, die er in diesem Zusammenhang weitergeben wollte. Alles wurde ordnungsgemäß aufgeführt.
Als es dann an der Tür klopfte und die Anbu Sai und Yamato den Raum betreten, fehlte nur noch Narutos Unterschrift auf der Schriftrolle.
»Hallo zusammen. Danzo schickt uns, um Senko abzuholen«, meinte Yamato, als er die Tür hinter sich geschlossen hatte.
»Seit wann bist du wieder im Root?«, wunderte sich Tsunade.
»Gar nicht. Ich soll eine Holzkopie von Naruto erstellen, als Ersatz für einen Leichnam. Schattendoppelgänger kann er laut Danzo ja nicht mehr machen«, erklärte der Ex-Root.
»Keine schlechte Idee. Daran habe ich noch gar nicht gedacht«, meinte die Senju begeistert.
Nachdem die Holzkopie von Narutos Körper erstellt worden war, wurde sie ins Bett gelegt und zugedeckt. Es war kein Klon, wie man es von Yamatos Holzdoppelgängern kannte, sondern ein schlichtes Stück Holz, das aussah, als hätte man Narutos Abbild hinein geschnitzt.
Senko hatte sich derweil umgezogen und trug nun die Kleidung des Root, die sich nur geringfügig von der Uniform der Anbu unterschied. Dazu hatten sie ihm eine Maske mitgebracht, die bisher noch keinem Anbu zugeteilt worden war, sowie einige Waffen, die für die Roots üblich waren. Ein völlig unbewaffneter Root würde auf den Straßen etwas seltsam aussehen. Die Tasche, in der sie alles gepackt hatten, war groß genug, dass sich Kurama dort hineinlegen konnte. Er durfte vorerst nicht gesehen werden. Gefiel dem Fuchs zwar weniger, aber dieses eine Mal musste es sein.
Ein letztes Mal überflog er sein Testament. Er hatte alles notiert, was ihm auf die Schnelle eingefallen war. Sollte es sonst noch etwas geben, was er weitergeben wollte, so konnte er diese Dinge auch noch im Nachhinein verschenken. Um das Dokument zu vervollständigen, setzte er noch seine bisherige Unterschrift darunter. Das war das letzte Mal, dass er selbst diesen Namen benutzen würde. Seine letzte Tat, als Naruto Uzumaki. Doch er hatte keine Zeit, sich jetzt mit den Gedanken daran aufzuhalten und widmete sich wieder den Personen im Raum.
»Bevor wir gehen. Eine Bitte hab ich noch«, meinte Senko und sah Tsunade an. »Bevor du vor dem Dorf den Notstand ausrufst, weil das Monster tot ist, weihe bitte meinen Freundeskreis ein und sag ihnen, was wirklich los ist und wieso wir das machen.«
»Wir werden gleich morgen früh mit ihnen darüber reden«, versprach Tsunade.
»Gut. Und du versprichst mir, dass du aufpasst, dass Tsunade in den nächsten Monaten keinen Tropfen Sake zusehen bekommt und auch nichts anderes! Alkohol in der Schwangerschaft ist absolut ungesund«, meinte er darauf noch streng zur Assistentin der Hokage.
Shizune grinste nur und salutierte spielerisch vor dem Vampir, während sie »Aye, Chef!«
»Na dann, wir sehen uns die Tage«, kam zuletzt noch von Senko. Darauf verlies er mit Sai den Raum. Die Sporttasche mit Kurama hatte er sich um die Schulter gehängt.
Yamato blieb bei den Anderen im Raum, da er vorläufig so tun sollte, als würde er auf das Kyuubisiegel aufpassen.

6 Gedanken zu „Another Vampire Story #9“

  1. Hey^^,
    das mit dem Testament ist eine super schöne Idee. Das mit dem Tierblut ist denke ich eine einfachere Umsetzung, als das Menschenblut, allerdings wehre es auch süß wenn Naru an Kakashi knabbern würde. <3
    (Auch wenn es noch nicht zu ihrer momentanen Beziehung passt)
    Lg
    Fabel

    1. „wenn Naru an Kakashi knabbern würde“ – hihi. Ich musste eben so lachen, als ich das gelesen habe. So in etwa wird es auf jedenfall irgendwann kommen. Zeitweilig, denn ich hab da noch ganz andere Dinge für die Zwei geplant

          1. Na hoffentlich halte ich es bis dahin aus. Ich freue mich einfach schon mal im voraus darauf und benutze bis dahin meine Fantasie 🙂

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