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Ein Grund zu Leben #5

Sturmnacht

Seit der Glöckchen-Prüfung waren mittlerweile drei Wochen vergangen. Trotz der beeindruckenden Art, wie die Kinder meinen Test bestanden hatten, war das Klima im Team kompliziert. Ernsthaftes Training war nur mit Sasuke möglich, da Sakura nichts besseres zu tun hatte, als ihm sabbernd zu zusehen und ihn anzufeuern, während Naruto sich meistens abseilte und sein eigenes Ding drehte. Und doch hielten die Kinder irgendwie zusammen, wenn es dann wichtig wurde.

Noch oft hatte ich in diesen drei Wochen versucht Naruto zu verfolgen, doch der Wald war sein Element. Er schient sich darin auszukennen, wie kein anderer. Hatte das Leben dort derart verinnerlicht, dass an ihn kein herankommen war. Jedes Mal aufs neue staunte ich darüber, wie schnell er mir entkam. Sogar meine Hunde hatten so ihre Schwierigkeiten bei der Verfolgung, da meinem Bruder mittlerweile sein Eigengeruch abhanden gekommen war. Er roch nur noch nach Wald, Dreck und verschiedenen Tieren – und mitten im Wald, wo man umringt von Dreck und Tieren war, konnte man diesem Geruch nur schlecht folgen.

Auch an diesem Tag hatte ich Naruto wieder verloren. Es ging bereits auf den Abend zu, als ich in meiner Wohnung ankam und mich, wie eigentlich immer, zunächst vor dem Foto von Team 4 wiederfand und für einige Minuten in Erinnerungen schwelgte.

Anschließen ging es ins Bad, wo ich mich entkleidete und unter die Dusche stellte. Die Minuten vergingen, während mir das heiße Wasser über den Körper floss. Sämtliche trübe Gedanken wurden zeitweilig fortgespült und ein angenehmes entspanntes Gefühl wickelte jeden meiner Muskeln ein. Diese wenigen Minuten des Tages genoss ich am Meisten. Keine verlorenen Verwandten oder Freunde konnten mich erreichen, keine Sorgen um meinen Bruder konnten meinen Verstand einnehmen. Für wenige Minuten herrschte in meinem Kopf pure Freiheit und Sorglosigkeit. Leider sollte dieses Gefühl nicht für lange sein, denn irgendwann musste ich die Dusche auch wieder verlassen.

Außerhalb der Duschkabine bemerkte ich schnell, dass irgendwas nicht stimmte. In der gesamten Wohnung war es recht düster, obwohl es um diese Jahreszeit eigentlich noch lange hell sein müsste. Nur im Bad selbst war es hell, da ich dort kein Fenster hatte und somit das Licht brannte. Schnell trocknete ich mich grob ab und schwang mir das Handtuch um die Hüfte. Mit einem zweiten Tuch machte ich mir unterwegs die Haare trocken, während ich mich nach dem Grund für die ungewöhnliche Düsternis umsah.

Dieser fand sich leider auch recht schnell. Durch die große Fensterfront im Wohnzimmer war der Himmel sehr deutlich zu erkennen. Dunkelgraue, fast schon schwarze Wolken hatten sich über Konoha zusammengezogen und kündigten ein Gewitter an. Der Wind, den diese Wolkenfront mit sich brachte, glich mehr einem Sturm, wie ich an den sich biegenden Bäumen im Garten des angrenzenden Hauses erkennen konnte.

Sofort waren all meine Gedanken wieder bei meinem kleinen Bruder, der ganz allein dort draußen im Wald lebte. An einem Ort, wo er bei solchen Sturmböen und während eines Gewitters lebensgefährlichen Naturgewalten ausgeliefert war. Da ich noch immer nicht wusste, wie und wo der Kleine genau lebte, blieb mir nicht anderes übrig als zu hoffen, dass er einen sicheren Unterschlupf hatte.
Die Zeit verging, während ich (mittlerweile angezogen) im Wohnzimmer saß und den Sturm beobachtete. Nicht zum ersten Mal sah ich den Regentropfen zu, wie sie unaufhörlich gegen die Fenster trommelten und mich an Rin erinnerten. An die Tränen in ihren Augen, als mein Chidori sie durchbohrte. Als ihr bewusst wurde, dass ihr leben vorbei war und ich mich bis in alle Ewigkeit dafür hassen würde. Ihr letzten Worte, bevor sie starb, von denen ich nie jemandem erzählt hatte. „Ich liebe dich!“, hatte sie gesagt und trotz aller Schmerzen, die sie in diesem Moment gehabt haben musste, lag soviel Güte und Zuneigung in ihren Worten. Zu spät hatte ich damals darauf reagiert. Wie gern hätte ich ihr gesagt, dass es mir nicht anders ging. Dass ich sie ebenfalls geliebt hatte – und es auch jetzt noch immer tat. Damals hatte ihr Körper den Todeskampf leider bereits verloren gehabt, als ich ihr diese Worte zuflüsterte.

Der Regen war jedoch nicht das einzige, was in dieser Nacht Erinnerungen in mir hervor rief. Jedes Mal, wenn ein Gewitter aufzog, jedes Mal wenn ich einen Blitz sah, dann musste ich sofort an meinen Sensei denken. Zwar waren die Gewitterblitze von einem bläulichen Farbton, doch dass störte mich nicht. Bei jedem Blitz, welcher dieser Finsternis für einen winzigen Moment Helligkeit beschwerte, sah ich meinen Sensei vor mir. Yellow Flash wurde er genannt, der „Gelbe Blitz“ von Konoha. Es war sein Spitzname und auch sein Markenzeichen im Kampf. Bis über die Grenzen des Feuerreiches hinaus, war er für den gelben Blitz bekannt, welcher beim Benutzen seines Jutsus entstand.

Niemand kannte allerdings das wahre Ausmaß seiner Fähigkeiten. Als Namikaze hatte Minato die einzigartige Begabung, anderen Personen in ihre Seelen zu sehen, die Dunkelheit in ihren Herzen zu erkennen. Er war nicht nur ein Blitz, er war auch ein Leuchtfeuer, welches die Dunkelheit vertreib und wieder Licht in die Seele brachte. Eine Eigenschaft, die sicher auch Naruto besaß, nur hatte er sein eigenes Feuer noch nicht finden können.

Wenn der Regen mich an Rin und der Blitz mich an Minato erinnerten, so musste ich die letzten beide Elemente des Gewitters wohl Obito zuschreiben. Den lauten Donner, der mich immer wieder an Obitos übernatürlich laute Art erinnerte und der Sturm, der eine solche Stärke erreichen konnte, dass er alles und jeden mit sich mit zog. Wir sehr ich die damalige Zeit doch vermisste. Unseren ganzen Meinungsverschiedenheiten, unsere Kämpfe und unseren ewig währenden Kleinkrieg. Ständig sind wir aneinander geraten, immer war Minato es, der uns zügelte und Rin, die uns wieder zusammenflickte.

Ich vermisste es, wenn uns gegenseitig zu schlimmeren Anstachelten und uns manchmal damit so weit ins Abseits beförderten, dass sogar Minato ernsthaft sauer auf uns war. Obitos Proteste und seine dummen und völlig bescheuerten Ausreden, wenn er mal wieder zu spät am Treffpunkt erschien. Bei Kami! Ich vermisste es sogar, wenn er mich dazu überredete, bei einem von seinen bekloppten Streichen mitzumachen.
Schon längst war es an der Zeit zu schlafen, doch zu sehr nahmen mich meine Gedanken ein. Nicht einmal gegessen hatte ich etwas, nachdem ich das Gewitter entdeckt hatte. Zu sehr schlug es mir auf den Magen, dass Naruto sich ganz allein dort draußen befand. Gesellschaft leiteten mir meine Nin-Ken. Während des Trainings hatte ich sie bereits mal beschworen, damit sie meine Schüler kennenlernten – und das Team meine Hunde. An diesem Tag war Naruto sogar etwas lockerer gewesen, als sonst.

Später hatte ich meinen Nin-Ken erzählt, wer der blonde Junge war. Von meiner Verbindung zu ihm und Narutos leben – zumindest soweit, wie ich es kannte. Als ich sie an diesem Abend rief und sie den Sturm entdeckten, machten sie sich ebenfalls enorme Sorgen um meinen Bruder. Doch vorerst konnten wir nichts für den Jungen tun. Wir mussten abwarten, bis der Sturm sich wieder gelegt hatte.

Mittlerweile kreiste all mein Denken nur noch um meinen Bruder und seine Art zu leben. Ich selbst hatte vor langer Zeit meine Träume und Hoffnungen aufgegeben. Einen Grund zu Leben, hatte ich nicht mehr. Selbst mein Versprechen an Itachi, dass ich auf seinen Bruder acht geben würde, sah ich nicht als wichtig genug an, um daraus einen Lebenswillen zu ziehen.

Doch wie war es bei Naruto? Was hielt meinen Bruder am Leben? Hatte er überhaupt einen Grund zu Leben? Oder vegetierte er nur noch vor sich hin, abgekapselt von der Menschheit und ohne jede Hoffnung auf Rettung. Plötzlich kamen mir seiner Worte wieder in den Sinn, die er bei seiner Vorstellung von sich gegeben hatte.

»Ich mag den Wald und die Ruhe dort. Wenn Stundenlang nichts anderes zuhören ist, als der Wind, der die Blätter zum Rascheln bringt, oder die Vögel, die ihre Lieder singen. Die Tiere im Wald, die sich an meiner Anwesenheit nicht stören – und meinen kleinen Freund Kurama.«, hörte ich Narutos Stimme in meinen Gedanken sagen. Wieder konnte ich diese Sanftheit in seiner Stimmer vernehmen und auch die Trauer, die sich tief in seiner Seele verbarg.

War es das Naruto? War es dass, was dich am Leben hält? Die Tiere im Wald, die dich als ihren Mitbewohner achten und denen es egal ist, wer du bist und wen du mit dir herum trägst? War der kleine Fuchswelpe dein rettendes Licht, welches die verzehrende Dunkelheit von dir abhielt? Die Verantwortung für ein kleines schutzbedürftiges Wesen, dass niemanden mehr hatte außer dem Menschenkind, dass sich seiner angenommen hatte.

Wenn dem so war, dann war die Hoffnung für meinen Bruder noch nicht ganz verloren. Noch konnte er gerettet werden aus der Dunkelheit seines Lebens. Wie es bei Naruto war, vermochte ich nicht zu sagen. Ich besaß nicht Minatos Gabe in die Seelen anderer Menschen zu blicken. Ob mein Bruder einen Grund zu Leben besaß, würde ich vielleicht nie herausfinden.

Für mich selbst hatte ich jedoch einen neuen Grund gefunden. Ich wollte Naruto lachen sehen. Ein ehrliches Lachen, dass einem Menschen bestimmt war. Er sollte ins Licht zurück finden und ein richtiges Leben führen können. Mit Freunden an seiner Seite, die zu allem bereit waren und sich voll für ihn einsetzten. Mit einer Familie, die in liebt. In einer Umgebung, in welcher er sich wohlfühlen kann. Egal wie lange es dauern sollte, egal wie schwer es werden würde. Ich würde nicht locker lassen, bis dieses Dorf ihm den Respekt entgegen brachte, den dieser Junge verdient hatte.

Mein Grund zu Leben hatte nichts mehr mit mir selbst zu tun. Ich lebte nur noch eine ganz bestimmte andere Person. Für meinen Bruder, dessen Glück ich über mein eigenes Stelle. In dessen Leben ich das Licht zurückbringen wollte. Der zündende Funke würde ich sein, der sein inneres Feuer entfacht und seinen Lebenswillen weckt.

Und dann – irgendwann – würde ich vielleicht auch bei ihm sehen können, wie er zu einem Leuchtfeuer für die Menschen in seiner Umgebung werden würde, so wie sein Vater es einst war.
Bis zum späten Morgen des nächsten Tages zog sich das Gewitter, dann ließ der Regen langsam nach. Die Wolken zogen sich nach und nach zurück, lösten sich schließlich gänzlich auf und nahmen auch den Sturm mit sich, der einiges an Schaden im Dorf hinterlassen hatte. Ich selbst bekam davon nichts mit, da ich nach der langen gedankenreichen Nacht mittlerweile doch eingeschlafen war. Meine Hunde waren es schließlich, die mich weckten und über das bessere Wetter informierten.

Fassungslos starte ich sie zunächst an und konnte es nicht glauben, dass sie wirklich alle noch da waren. Die ganze Nacht waren sie nicht von meiner Seite gewichen und hatte mit mir den Sturm beobachtet. Auch jetzt, wo es bereits fast Mittag war, waren sie alle noch da. Hatten sich geweigert zu gehen, um auf mich aufzupassen, obwohl dieser sehr lange Zeitraum stark an ihren Kräften zehrte. Sie waren erschöpft, dass sah ich ihnen sofort an.

Nachdem ich sie alle zur Belohnung ausgiebig gekrault hatte, schickte ich sie zurück, damit sie sich ausruhten. Wenn ich sie brauchen sollte, mussten sie fit sein. Ich selbst zog mir etwas wetterfestes über und machte mich auf den Weg zum Hokage.

Unterwegs zum Dorfoberhaupt begegnete ich nur sehr wenigen Menschen. Noch immer hatte der Wind einiges an Kraft, weshalb die meisten Bewohner ihre sichere Wohnung bevorzugten. Nur einige wenige trauten sich vor die Tür, überwiegend Shinobi und einige Zivilisten, die offenbar ihre Hilfe zur Beseitigung der Sturmschäden angeboten hatten.

Entwurzelte Bäume waren zu sehen und ein abgerissener Ast wurde vom Wind durch die Hauptstraße geschoben. Umgefallene Mülltonnen, deren Inhalt sich nun über die Straßen verteilte. Teilweise abgedeckte Dächer, deren fehlende Ziegel nun auf den Wegen lagen und zum Großteil nicht mehr zu gebrauchen waren. Dies waren nur einige der Schäden, die ich auf meinem Weg zum Hokageturm entdecken konnte.

Vor und im Büro des Sandaime herrschte reges Treiben. Viele Teams waren hier versammelt und warteten auf ihre Befehle. Darunter befanden sich ausschließlich Ninja, die schon etwas älter waren, als meine Schüler. Die jüngeren Generationen wurden heute noch nicht zum Einsatz kommen. Erst wenn der Wind sich noch etwas gelegt hatte, kamen auch die jungen Genin zum Einsatz, da es für sie derzeit noch zu gefährlich war.

Eine knappe halbe Stunde musste ich warten, bis der Hokage für mich Zeit fand, dann konnte ich endlich das Büro betreten und ungestört mit dem Dorfoberhaupt reden.

„Kakashi, dich habe ich nicht rufen lassen.“ Der Hokage schien sichtlich überrascht, als er von seinen Dokumenten aufsah und mich erblickte. „Dein Team ist erst eingeplant, wenn es weniger windig ist.“

„Deswegen bin ich nicht hier.“, grummelte ich leicht genervt. Die Sturmschäden im Dorf waren mir nun wirklich egal. Es gab wichtigeres für mich, als entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer.

„Ah, verstehe. Es ist wegen Naruto.“, seufzte der Sandaime und erhob sich, um sich vor das Fenster zu stellen. Auf einen kurzen Wink hin, gesellte ich mich zu ihm und blickte in die Ferne, über die Stadtmauern hinaus, wo sich der Wald befand.

Aus dem Augenwinkel heraus nahm ich seinen traurigen Blick war und die Sorgenfalten, die sich auf seiner Stirn zeigten. Mehr als dies zeigte jedoch seine Stimme, wie sehr er sich um Naruto sorgte. „Ich mach mir auch jedes Mal wieder sorgen, wenn solch ein Sturm über das Land fegt, doch der Junge weiß damit umzugehen.“

„Sind sie sicher, Hokage-sama?“ Zwar war ich mir Narutos unglaublicher Fähigkeiten im Wald durchaus bewusst, doch in Verbindung mit einem Sturm waren meine Sorgen dann doch größer als mein Vertrauen. Zuwenig wusste ich über meinen Bruder, zu kurz war unsere bisherige Bekanntschaft, als dass ich meine Sorgen einfach so beiseite schieben konnte.

„Es ist nicht das erste Mal und ich vertraue in seine Fähigkeiten. Mir bleibt ja leider auch nichts anderes übrig.“ In den letzten Worten des Sandaime konnte ich deutlich heraushören, wie sehr er sich trotzdem sorge.

Anschließend verschwand jegliche erkennbare Sorge aus seinen Augen und nahmen einen hochkonzentrierten Ausdruck an. „Heute wird er nicht mehr in Konoha auftauchen, dass lohnt sich für ihn nicht. Noch stürmt es zu sehr, weshalb er sein Versteck nicht verlassen wird – und solang er versteckt bleibt, wird ihn eh niemand finden.“

„Da habt ihr leider recht.“ Nun war es an mir zu seufzen. Nur zu gut wusste ich mittlerweile, wie schwer es war diesen Jungen im Wald zu finden. Selbst bei normalen Wetterbedingungen war es äußerst schwierig eine Spur von ihm zu finden. Nach dem Regen der letzten Nacht wären sämtliche vielleicht einmal vorhandenen Spuren komplett fortgespült worden. Dazu kam der Sturm, der auch im Wald einige Schäden hinterlassen hatte. Den Jungen dort zu finden, würde nicht einfach werden. „Ich versuche ihm seit 3 Wochen zu folgen und bisher hatte ich keinen Erfolg damit. Der Junge kann weit mehr, als er uns zeigt.“

Der Hokage quittierte dies mit einem Nicken und schien bereits in Gedanken die nächsten Schritte zu planen. „Wir warten ab, wie es morgen früh aussieht. Wenn das Wetter sich noch weiter bessert, dann kommt er morgen sicher von allein ins Dorf. Und sollte er doch nicht kommen, dann wird Team 7 ihn suchen gehen – aber nur, wenn das Wetter sich noch etwas gebessert hat. Für deine anderen beiden Genin ist es sonst zu gefährlich.“

„Einverstanden.“
Mein Weg führte mich nun zu meinem Team. Es wurde Zeit sie über die Tatsache aufgeklärt, dass Naruto sich nicht nur gern im Wald aufhielt, sondern auch dort lebte – und sich dementsprechend auch während des gesamten Sturms im Wald befand. Zwar hatten sie bislang immer versucht sich irgendwie mit Naruto zu arrangieren, doch verstanden hatten sie ihren Teamkameraden nie. Ich wollte für mehr Verständnis innerhalb des Teams sorgen und den Kindern ein wenig über Naruto erzählen.

Das Gespräch mit Sasuke lief recht entspannt. Wir waren allein, ich konnte ihm in ruhe alles erklären und wir hatten genug Zeit, um darüber zu reden. Er reagierte recht gefasst auf die Tatsachen, die ich ihm vorsetzte, war die ganze Zeit über sehr nachdenklich. Es schien ihn ernsthaft zu beschäftigen, wie Naruto lebte und wie allein sein Teamkamerad eigentlich war. Letztlich bedankte er sich sogar bei mir, dass ich mich um ihn kümmerte, wodurch er nicht ganz so allein war.

In diesem Moment bekam ich kurzzeitig richtige Gewissensbisse. Sicher, ich hatte mich um ihn gekümmert … irgendwie, aber interessiert hatte ich mich nicht im geringsten für ihn. Sein Wohlergehen war für mich nichts weiter als eine Aufgabe, die ich dummerweise angenommen hatte und bei welcher mein Pflichtbewusstsein mich zwang, dass sie auch erfüllt wurde. Vielleicht sollte ich mich doch mal etwas mehr mit ihm beschäftigen.

Bei Sakura verlief die ganze Aufklärung über Narutos Lebensumstände schon etwas aggressiver. Dies lag überwiegend an der Anwesenheit ihrer Eltern, die bei diesem Wetter leider zuhause waren und (LEIDER!) auch nichts anders zu tun hatte, als sich in unser Gespräch einzumischen.

Mehrmals hörte ich die Worte Monster und Fuchsbengel, die mit solcher Abscheu ausgesprochen wurden, dass ich größte Mühe hatte mich zusammenzureißen. Dies alles kam jedoch ausschließlich von der Mutter, denn Sakuras Vater hielt sich von Beginn an völlig aus dem Gespräch raus und hätte sich wohl auch verdrückt, wenn seine Frau ihm dies nicht verboten hätte. Auf der einen Seite war er mir sympathisch, denn er hatte bislang kein schlechtes Wort über meinen Bruder verloren war er einen Schisser, der eindeutig Angst vor seiner Frau hatte.

In diesem Haushalt hatte das weibliche Geschlecht das Kommando und dies bezog ganz offensichtlich unterschiedliche Feldlager. Während Frau Haruno Naruto am laufenden Band runter machte, verteidigte Sakura ihn bis aufs äußerste. Etwas wofür ich die Kunoichi eindeutig noch einmal loben musste – sobald wir außer Hörreichweite ihrer Mutter waren.
Am nächsten Morgen war es dann soweit. Wir warteten am Trainingsplatz auf Naruto, unterhielten uns noch etwas über ihn. Einen meiner Hunde hatte ich zum Haupttor geschickt, falls Naruto dort auftauchen sollte. Zwei weitere waren am Ost- und am Westtor positioniert, nur zur Sicherheit. Lange warteten wir, doch Naruto ließ sich nicht blicken.

Mit dem Hokage war abgesprochen, dass wir ihm bis zum Mittag Zeit geben sollten, danach durften wir mit der Suche beginnen. Einen Nin-Ken schickte ich schließlich zum Dorfoberhaupt ins Büro, damit dieser Bescheid wusste, dass wir aufbrachen. Die anderen Hunde liefen voraus, versuchten eine Witterung aufzunehmen.

Über ein größeres Gebiet verteilt suchten sie jeden noch so kleinen Winkel ab. Jede kleine Baumhöhle, jeden Spalt in den Felsen, der Naruto als Schutz gedient haben könnte. Mein Pakkun war der einzige Nin-Ken, der stets an unserer Seite blieb, damit wir uns mit den anderen Verständigen konnten. Im Vorfeld hatte ich den Wald in mehrere Bereiche aufgeteilt, die wir nacheinander absuchen wollten.

Gegen Abend hatten wir zwei dieser Bereich vollständig abgesucht, was unter anderem meinen Nin-Ken zu verdanken war. Sie hatten viel geleistet an diesem Tag. Unser verschollenes Teammitglied hatten wir jedoch nicht aufspüren können.
Nachdem ich Sakura völlig verschlammt und total entkräftet zuhause abgesetzt hatte, brachte ich noch Sasuke bis vor seine Tür. Auch er schien sehr erschöpft und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, weshalb ich ihn schließlich doch noch bis in die Wohnung brachte und etwas blieb, um sicher zu gehen, dass er auch sauber im Bett landete, statt verdreckt auf dem Fußboden zu schlafen.

Auch ich nutzte die Zeit bei Sasuke, um mich etwas zu säubern. Nachdem mein Zögling schließlich im Bett lag und friedlich schlummerte, begab ich mich noch einmal zum Hokage. Ich musste ihm noch von unserer Suche berichten.

Ein Grund zu Leben #4

Die Glöckchen-Prüfung

Meinen Bruder durch das Dorf zu verfolgen, stellte sich als recht einfach heraus. Er nahm den direkten Weg zum Haupttor und lief dafür auch auf der Hauptstraße entlang. Ihm schien es völlig egal zu sein, wem er dabei begegnete, wie er angesehen wurde oder was man ihm nachrief. Einige Male sah ich, wie man ihn absichtlich anrempelte oder sogar schubste. Naruto zeigte jedoch keine Reaktion darauf, sondern ging unbeirrt weiter in Richtung Stadttor, um von dort aus in die erlösende Einsamkeit des Waldes einzutauchen.

Obwohl die Bewohner ihn vergleichsweise selten zu Gesicht bekamen und Naruto offensichtlich auch nichts tat, was sie verärgern könnte, behandelten sie ihn wie Dreck. Diese vielen kleinen Beobachtungen, die ich in den wenigen Minuten machte, gaben mir einen mehr als guten Einblick darauf, wie falsch dieses Dorf doch eigentlich von dem Jungen dachte. Und offenbar schien es den Meisten auch egal zu sein, ob die Gerüchte stimmten, oder ob es sich vielleicht sogar um Lügen handelten.

So, wie früher auch ich, schwammen die Bewohner in einem reißenden Strom aus falschen Informationen, deren Quelle höchstwahrscheinlich bei nur einer Person lag. Jemand, der durch den Kyuubi vielleicht einen Verwandten verloren hatte, oder auf andere Art Hass für den Bijuu empfand. Man hatte vergessen, dass es sich bei Naruto nicht um den Fuchs selbst handelte, sondern um ein Kind, welchem ohne sein Einverständnis die Bürde auferlegt wurde, ein Monster in sich zu tragen.

Was Naruto betraf, den sah ich in Mitten dieses reißenden Stroms. Gefangen auf einer kleinen Insel, von welches es kein Entkommen gab. Um ihn herum floss ein unaufhörlich Strom aus Hass und Lügen an seiner Insel vorbei, während er selbst sich in die Sicherheit seines Waldes zurückzog. Doch jeden Tag aufs neue musste er wieder hinaus und sich der grausamen Realität stellen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er in diesem Meer aus Verachtung ertrank und mir war nichts weiter möglich, als ihm die rettende Hand reichen konnte, wenn dieser Zeitpunkt gekommen war und zu hoffen, dass er sie auch ergriff.

Nach dem Erreichen des Stadttores verschwand Naruto im angrenzenden Wald. Eine Zeit lang war es kein Problem für mich, ihm zu folgen. Er schien es nicht eilig zu haben, spielte mehr mit seinem Fuchswelpen, als sich vorwärts zu bewegen. Fast schon entspannt sah er dabei aus, behielt seine Umgebung jedoch immer im Auge. Einmal hatte ich sogar das Gefühl, als würde er genau wissen, dass ich mich in seiner Nähe befand. Und wenn dem so war, dann reagierte er nicht darauf.

Nach einer guten halben Stunde änderte sich dann die Lage. Das Tier hatte es sich wieder in der Kapuze bequem gemacht, während mein Bruder schnell, gezielt und nahezu lautlos durch das Unterholz des Waldes lief. Einige Minuten verfolgte ich ihn noch, doch bei seiner Geschwindigkeit hatte ich größte Probleme im gleichen Tempo schritt zu halten, ohne dabei bemerkt zu werden. Es dauerte allerdings nicht lange und da hatte auch ich ihn verloren.
Auf dem Rückweg dachte ich erneut über meinen Bruder nach. Es war unglaublich, wie schnell der Junge verschwunden war. Ich war ja selbst mal ein ANBU und so gesehen war ich immer noch einer, denn auch wenn sich meine Position mittlerweile verändert hatte, einmal ein ANBU immer ein ANBU. Die Mentalität wurde man nicht so einfach wieder los. Um die Fähigkeiten meiner ehemaligen Kollegen, wusste ich daher auch sehr gut. Ihnen zu entkommen war alles andere als einfach und dieser Junge beherrschte es offenbar schon seit Jahren.

In Gedanken versunken merkte ich kaum, wie ich an meiner Wohnung ankam und dort vor dem Foto meines alten Teams stehen blieb. Noch vor wenigen Stunden war ich der festen Meinung gewesen, dass es für mich nie ein anderes Team geben würde. Jegliche Versuche des Hokage mich in eine neue Gruppe einzugliedern, hatte ich erfolgreich abgeblockt. Jedes Genin Team hatte ich absichtlich durch meine Prüfung fallen lassen. Niemand würde mir mein altes Team ersetzen können.

Jetzt jedoch hatte der Sandaime mir ein neues Team vor die Nase gesetzt. Drei Kinder, die jetzt schon nicht mehr gehen lassen wollte. Allein für das Wohl meines Bruders schon nicht. »Obito, Rin. Was würdet ihr wohl dazu sagen? Und was würdest du sagen, Minato? Mein Sensei, mein Vater!« Wieder einmal dachte ich an meine Zeit in Team 4 zurück, wo ich mich eigentlich jeden Tag mit Obito gestritten habe. Wo Rin am Rand saß und uns zuschaute – und uns im Anschluss wieder zusammen flickte. Ich dachte an Minato, der dies alles mit einem Lächeln beobachtete, da er genau wusste, dass wir drei im Notfall immer fest zusammenhalten würde. Was würden sie wohl sagen zu meinem neuen Team, welches dem Alten so sehr ähnelte.

Was würden sie wohl sagen, wenn sie jetzt hier wären und selbst mitansehen müssten, wie man Naruto in diesem Dorf behandelte? Nichts positives, soviel weiß ich. Du Rin würdest Naruto einfach an dich reißen und ihn knuddeln, bis von ihm keine Gegenwehr mehr käme – und dann würdest du ihn noch mehr knuddeln.

Du Obito würdest ihm ein Freund sein wollen und egal wie schwer es auch werden würde, du würdest alles unternehmen, um ihn aufzumuntern und zum Lachen zu bringen. Was dir mit deiner dämlichen naiven Art sicher auch gelänge.

Und du Minato? Du bist eher bekannt für deine sanfte Art und deinen gutmütigen Charakter. Nie hat dich in diesem Dorf jemand wütend erlebt, doch das hätte wohl ein Ende. Ich glaube nicht, dass du dich noch zurückhalten würdest, wenn du Narutos derzeitiges Leben sehen könntest. Du würdest sicher eine Dorfversammlung einberufen und sämtliche Bewohner zur Sau machen, für das was sie deinem Sohn antun.

Ja, dass wäre das Richtige. Minato taucht auf und staucht erst einmal sämtliche Bewohner in Grund und Boden für ihr Verhalten. Wenn es doch nur möglich wäre. Leider war mir schmerzliche bewusst, dass dies niemals geschehen würde. Ich war die einzige Hilfe, die Naruto wohl bekommen würde.

Seufzend wand ich mich vom Bild ab und begab mich ans Bad. Vor dem Spiegel nahm ich mein Stirnband ab und entledigte mich meiner Maske. Nur wenige Personen kannten mich ohne das Stück Stoff, welches einen Großteil meines Gesichtes verhüllte. Nur meine Eltern, meine Großeltern und Minato hatten mich bisher ohne meine Maske gesehen. Mittlerweile wusste ich selbst nicht mehr, warum ich sie überhaupt trug. Es war einfach zur Gewohnheit geworden.

Langsam fuhr ich mit den Fingerspitzen über die Narbe, welche oberhalb meines linken Auges begann, abwärts führte, mein Auge kreuzte und schließlich auf meiner Wange endete. Ein feiner Schnitt, der eine grade rote Linie hinterlassen hatte. Mein eigenes Auge hatte ich damals verloren. Nun trug ich das Auge eines Anderen. Das Sharingan von Obito.

Nachdem ich mich auch dem Rest meiner Bekleidung entledigt hatte, stieg ich unter die heiße Dusche. Wieder schweiften meine Gedanken ab. Diesmal zum nächsten Tag. Jedes neue Genin Team wurde zu aller erst von dem zugeteilten Sensei getestet. Diese Aufgabe stand auch mir bevor. Bisher hatte ich die mir zugeteilten Teams immer durchfallen lassen, indem ich die Aufgabe absichtlich so stellte, dass sie gar nicht erst bestehen konnten.

Für dieses Mal musste ich mir jedoch etwas anderes überlegen. Ich wollte das Team unbedingt behalten, egal wie sie sich anstellen. Nur musste ich ihr bestehen vor dem Hokage gleichermaßen erklären, wie auch das durchfallen der anderen Teams. Erneut musste ich an damals denken, wo ich selbst Genin war. Auch ich hatte so einen Test mitmachen müssen. Minato hatte damals unter Teamwork getestet. Ob ich dies vielleicht auch machen sollte? Die Glöckchen hatte ich ja da. Warum also nicht?

Allerdings musste ich mir vorsichtshalber einige Varianten einfallen lassen, je nachdem wie meine Genin auf die Aufgabe reagierten. Immerhin gehörte Naruto zur gleichen Sorte Einzelgänger wie ich auch. Ich bezweifelte daher, dass er so schnell das Teamwork verinnerlichen konnte. Trotzdem musste ich die Kinder irgendwie durch die Prüfung bringen.

Geistesabwesend und noch immer tief in Gedanken, beendete ich schließlich meine Dusche. Nachdem ich mich grob abgetrocknet hatte, verließ ich das Bad mit nichts weiter als einem Handtuch um die Hüfte und holte mir eine Kleinigkeit zu Essen aus der Küche. Danach führte mich mein Weg direkt ins Schlafzimmer, wo ich mich mit meiner neuesten Ausgabe des Flirt-Paradies ins Bett legte und zu lesen begann. Gegessen wurde wie immer nebenbei.

Lang konnte ich mich jedoch nicht auf das Buch konzentrieren, da meine Gedanken immer wieder bei Naruto landeten. Schließlich gab ich es auf und legte das Buch zur Seite, um zu schlafen.
Am nächsten Morgen war ich recht früh wieder wach. Viel zu früh, für meinen Geschmack. Es war erst 10 Minuten vor 6 Uhr. Normalerweise wurde ich nie vor 10 Uhr war. Da mussten selbst die ANBU mich schon mit Gewalt aus dem Bett holen, damit ich eher aufstand. Genervt drehte ich mich zunächst um und versuchte wieder einzuschlafen. Den Termin mit meinem neuen Team hatte ich völlig vergessen, der wäre nämlich um 6 Uhr gewesen.

Eine Zeit lang döste ich vor mich hin, bis ich dann im Halbschlaf einen echt schrägen Traum hatte. Von einem dreckigen blonden Jungen, mit blauen Augen, der völlig verängstigt von Menschen umringt war, die ihn alle ansahen, als würden sie im nächsten Moment zerfleischen wollen. Ruckartig schnellte ich hoch und hatte dabei nur eine Person im Kopf. Naruto! Ihn, das Team und meine neue Aufgabe, hatte ich über Nacht völlig vergessen.

Aus dem Augenwinkel erkannte ich, dass es bereits auf 11 Uhr zuging. Sie warteten also schon knapp 5 Stunden auf mich. Genervt grummelte ich vor mich hin, während ich aufsprang um mir meine Uniform überzustreifen. Zu spät kommen ist für mich zwar normal, aber so unpünktlich wollte ich nun auch wieder nicht auftauchen. Er dauerte keine fünf Minuten, da war ich fertig und verließ auch schon das Haus. Und keine 5 Sekunden später war ich auch schon wieder zurück, ich hatte nämlich mein Buch vergessen – und die Glöckchen auch!

Das Dorf flog regelrecht an mir vorbei, als ich mich im Eiltempo auf die Trainingsplätze zu bewegte. Die Straßen waren um die Mittagszeit zu voll, weshalb ich den Weg über die Dächer nahm. Unterwegs dachte ich nochmal über die Prüfung nach. Bisher hatte ich mich noch nicht entschieden, was ich nun machen wollte. Ich brauchte ein erreichbares Ziel, dass sowohl im Alleingang, wie auch im Team erreicht werden konnte. Oder zwei Ziele, wovon nur eines erreicht werden musste. Und dann noch möglichst viele verschiedene Varianten, um den Kids beim bestehen zu helfen, da ich keinen blassen Schimmer hatte, wie Naruto sich in diese Prüfung einbringen würde. Es war zum Verrückt werden. Warum konnte nicht alles so einfach sein wie damals, wo ich noch in Team 4 war und wir den Test machen mussten?

Nach knapp 10 Minuten kam ich beim 7. Platz auf den Trainingswiesen an. Hier war unser Treffpunkt und hier würden wir in Zukunft trainieren. Zwei meine Schüler fand ich sofort. Sie hatten es sich bei der kleinen Hütte bequem gemacht, die sich zwischen den Plätzen 7, 8 und 9 befand. Sie war als Ruhezone gedacht, wo man sich an einen der drei Tische setzten konnte und zudem noch vor allen möglichen Wetterbedingungen geschützt war. Sogar ein kleines Bad gab es darin. Vor der Hütte befand sich ebenfalls nochmal eine Bank und ein kleiner Tisch. Dort hatten es sich Sakura und Sasuke bequem gemacht – und schienen vor Langeweile beim Warten eingeschlafen zu sein. Zumindest zeigten sie keinerlei Reaktion. Und wo war eigentlich Naruto?

Zu schade, dass ich die Zwei nun wecken musste – und zu schade, dass ich keine Kamera eingesteckt hatte. Es sah echt niedlich aus, wie Sakura sich an Sasuke kuschelte und er sie auch noch umarmte. Ohne Beweis würden sie mir dies allerdings nicht glaube. Nun gut, vielleicht ein anderes Mal.

„Jo, Kids. Aufwachen, Zeit fürs Training! Schlafen könnt ihr heute Abend.“ Belustigt beobachtete ich, wie beide Genin hochschreckten und sich noch im Halbschlaf umsahen, dann sahen sie sich zunächst gegenseitig an – und dann würden sie beide knallrot wie eine Tomate, als sie so halb begriffen, wie sie gerade gelegen haben mussten. Schnell schauten sie beide in eine andere Richtung, direkt zu mir, weshalb Sakura nun sogar noch eine Spur roter wurde.

„Sie sind zu spät!“, schrie Sakura mir entgegen und brachte damit nicht nur Sasukes Ohren zum Klingeln. »Meine Güte, hat die ein Organ!« Das war schon fast unglaublich, mit was für einer Intensität manche Mädchen schreien konnten. Nur übertroffen würde dies von den Mädchen, die auch das schrille Kreischen in Perfektion beherrschten – aber das ist ein anderes Thema.

„Wie spät ist es?“, nuschelte Sasuke vor sich hin und ließ den Kopf auf den Tisch sacken. „Kurz nach 11.“, antwortete ich zunächst und sah mich darauf erneut nach Naruto um, den ich dieses Mal auch entdecken konnte.

„Kurz nach 11? Sie haben uns hier 5 Stunden warten lassen?“ Und wieder schellte das unglaublich laute weibliche Stimmorgan durch meinen Gehörgang. Musste sie immer so schreien?

„Ja, und jetzt warte ich auf euch.“ Konterte ich und grinste fies hinter meiner Maske. Während sich diese beiden Genin langsam erhoben und sich nochmal streckten, bewegte ich mich nun auf die Wiese zu.

„Wo steckt eigentlich Naruto?“, hörte ich Sasuke hinter mir fragen, weshalb ich mich nun nochmal zu ihnen umdrehte.

„Naruto befindet sich genau da, wo er hingehört …“ Dabei zeigte ich an mir vorbei zur Mitte der Wiese, wo der Blondschopf im Gras hockte und seinen Fuchswelpen streichelte. „ … im Gegensatz zu euch. Also Bewegung!“ Darauf legte ich nun die restlichen Meter zurück und befand mich dann recht schnell bei meinem dritten Genin – der mich mal wieder keines Blickes würdigte.

Nachdem wir uns endlich alle versammelt hatte, wurde ich von einem grünen Augenpaar böse an gefunkelt. Ein Schwarzes war offenbar schon ganz heißt aufs Training und das Blaue schaute desinteressiert zu Boden und befasste sich mit anderen Dingen. Jetzt war ich wirklich gespannt, wie diese Prüfung verlaufen würde. Bevor ich jedoch starten konnte, musste ich meinen Schülern erst einmal erklären, was ich überhaupt vorhatte.

„Da wir ja nun alle versammelt sind, können wir mit dem letzten Teil der Genin Prüfung beginnen.“, verkündete ich und grinste leicht hinter meiner Maske. Mein Team verstand natürlich kein Bisschen, wie diese Aussage gemeint war. Laut Sakuras Aussage waren doch schon Genin, wie ihre Stirnbänder bewiesen. Von Sasuke bekam sie dafür ein zustimmendes Brummen und Naruto hielt sich mal wieder raus.

In dieser Sache reagierten wohl alle Teams auf die gleiche Art. Mit Unglauben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Obito, Rin und ich es damals auch nicht wahrhaben wollten, dass wir noch immer nicht ganz durch unsere Prüfung durch waren und ein weiterer Test bestanden werden musste.

Schnell erklärte ich alle weiteren Einzelheiten der Prüfung. Sie mussten die Glöckchen erringen, von denen jedoch nur 2 vorhanden waren und von mir bewacht wurden. Derjenige, der kein Glöckchen bekam, wurde zur Akademie zurück geschickt. Sie durften alles einsetzen, was sie konnten – Alle Waffen, alle Jutsus – und sie hatten nur bis zum Mittag Zeit, also knapp 45 Minuten.

Die Glöckchen befestigte ich darauf an meinem Gürtel und gab dann den Startschuss. Alle drei verkrümelten sich sofort und versteckten sich zwischen den Büschen und Bäumen. Nachdem auch nach einigen Minuten nichts passiert war, holte ich mein Buch aus der Tasche und begann zu lesen. Zwar war Naruto für mich unberechenbar, sehr schnell und im Wald gut unterwegs, doch ich bezweifelte stark, dass er in einem Kampf mit mir weit kam. Auch die anderen Beiden waren noch nicht stark genug, um einen Kampf gegen mich zu bestehen, weshalb ich mir eigentlich keine großen Sorgen machte.

Die Minuten vergingen und es passierte rein gar nichts. Nach etwa 30 Minuten machte ich mir dann doch Gedanken. Wo blieben die Kinder nur? Sie wussten doch, dass sie nur begrenzt Zeit hatten. Weitere 5 Minuten vergingen und da kamen sie dann doch. Alle drei zusammen, alle drei mehr oder weniger relaxed, alle drei stark entschlossen und alle drei setzten sich 2 Meter von mir entfernt auf den Boden.

Verwundert betrachtete ich sie und wusste mit dieser Reaktion nichts anzufangen. Wie sollte ich auch? Sie hatten immerhin eine klare Aufgabe gehabt und der gingen sie eindeutig nicht nach. Stattdessen saßen sie nun vor mir und starrten mich an.

„Und was wird das jetzt, wenn ich fragen darf?“, wollte ich dann doch mal wissen, nachdem auch nach mehreren Minuten von keinem der Drei ein Wort gefallen war.

Wie aus einem Mund kam dann die Antwort von allen dreien: „WIR STREIKEN!“

Das sollte doch jetzt ein Witz sein, oder? Sie streiken? Das war definitiv die einzige mögliche Reaktion auf den Test, die mir niemals in den Sinn gekommen wäre. Ich wusste nun selbst nicht so genau, wie ich darauf reagieren sollte, weshalb ich mich dazu entschloss, zunächst Urheber und den Grund für den Streik herauszufinden.

Mit einem ziemlich fieses Blick betrachtete ich nun alle drei. „Wessen Schnapsidee war es?“ Mit Einschüchterung würde es wohl am ehesten Klappen, dass sie mir die richtige Person nannten – und es klappte auch. Während Sasuke und Sakura fast schon verängstigt auf Naruto zeigte, schaut mein Bruder mich mit einem ähnlich fiesen Blick an. Er war also der Drahtzieher. Hätte ich jetzt nicht gedacht. Blieb nur noch der Grund für diesen Streik.

Noch immer in der Rolle des bösen Senseis, fragte ich daher mit recht kühlem Ton: „Warum ein Streik? Hast du wirklich gedacht, ihr kommt damit weiter?“

„Nein, hab ich nicht.“, gab der Junge gleichermaßen kühl zurück. „Aber sie sind Jonin. Wir hätten daher keinerlei Chance, einen Kampf gegen sie alleine zu bestehen und an ein Glöckchen zu kommen. Folglich wären wir nur durch Teamarbeit ans Ziel gekommen und deswegen der Streik. Wenn wir schon als Team zusammenarbeiten müssen, dann sollten wir auch alle drei zusammen bestehen können. Wenn einer außen vor bleibt, ist das unfair!“

Nun wusste ich erst recht nicht mehr, wie ich reagieren sollte. Das alles war gerade einfach zu viel für mich. Ausgerechnet der Einzelgänger aus der Gruppe, der am wenigsten fürs Teamwork geeignet war, hatte dafür gesorgt, dass dieses Team den Test nicht nur bestand, sondern komplett kampflos bestand. Mit solch einer Wendung hätte ich niemals gerechnet. Ich hatte mir einige Szenarios ausgemalt, doch dies hier, oder etwas vergleichbares war da eindeutig nicht vorgekommen.

„Ihr habt bestanden.“, gab ich sichtlich überrascht und auch recht tonlos von mir. Meine Genin schauten sich darauf recht verwundert gegenseitig an. Sogar Naruto war über diese Aussage recht verblüfft und zeigt dies deutlich. Damit hatte wohl auch er nicht gerechnet gehabt.
Nachdem wir uns alle von diesem kleinen Schock erholt hatten, stiftete ich die Kinder dann noch zu einem kleinen Training an. Wenigst etwas wollte ich sie Kämpfen sehen. Über Sasukes Fähigkeiten war ich ja bestens informiert, da ich schon im Vorfeld regelmäßig mit ihm trainiert hatte. Bei Sakura erkannte ich sofort, dass zwar Potential vorhanden war, jedoch die Ausbildung zur Medi-Nin die definitiv bessere Option für sie wäre.

Und Naruto? Tja, der war mir wie immer ein Rätsel.

Ein Grund zu Leben #3

Meine Genin

Genervt folgte ich dem Hokage durch das Dorf, während er mir von den Vorzügen meiner Kunoichi erzählte. Das Mädchen schien ja einiges an Talent zu besitzen, zumindest schien er sehr von ihr überzeugt. Ich werde mir wie immer mein eigenes Bild machen. Seine Vorschlag, sie zu einer Medi-Nin ausbilden zu lassen, klang aber auf jeden Fall schon mal nicht schlecht.

Vor ihrem Elternhaus angekommen, gingen die Erläuterungen über Familie Haruno auch direkt weiter. Das Gebäude besaß drei Stockwerke. Im Erdgeschoss befand sich ein Friseur Salon, welcher offenbar von der Mutter geleitet wurde. Der Vater war als Bauarbeiter tätig. Die Eltern bewohnten mit Sakura zusammen das Stockwerk darüber und das Dachgeschoss war vermietet.

Schön … Und wozu erzählte er mit das? Mir hätte völlig gereicht, wenn er mir gesagt hätte, wo ich klingeln muss. Der Rest davon interessierte mich nicht im geringsten. Mal abgesehen davon, dass er mir die wirklich wichtigen Dinge eh nicht sagen konnte. Die würde ich selbst herausfinden müssen, oder von Sasuke erfahren. Er kannte sich mit seinen Klassenkameraden immerhin am Besten aus.
Einige Minuten später kamen wir dann bei der Wohnung von Naruto an. Diese befand sich in einer Gegend, die rein äußerlich schon nicht appetitlich aussah. Unrat lag herum, Müllsäcke türmten sich und verbargen mit Sicherheit nicht nur ein Rattennest. Dafür liefen hier eindeutig zu viele von diesen kleinen Mistviechern umher. Manche von denen hatten eine Größe, bei der man sich ernsthaft fragen musste, ob die wirklich noch als Ratte durchgehen.

Und in so einer Umgebung musste mein kleiner Bruder hausen? Wenn es außerhalb der Wohnung schon so schlimm war, wie sah es dann wohl drinnen erst aus? Ich war mir nicht sicher, ob ich es wirklich wissen wollte. Allerdings musste ich möglichst alles über Naruto erfahren, um eine Beziehung zu ihm aufbauen zu können – und wenn es vorerst nur eine Lehrer/Schüler Verhältnis ist. Ich versteh noch immer nicht, warum ich ihm nicht sagen darf, dass ich sein Bruder bin, aber was soll’s. Irgendwann erzähle ich es ihm trotzdem.

Der Weg durch die Haustür und den kleinen Flur entlang war der reinste Hindernislauf. Die Tür war nicht einmal abgeschlossen gewesen. Auch hier drin türmten sich die Müllberge. Ratten und anderes Ungeziefer koch umher. Als wir genau zwischen zwei Türen standen, wehte uns ein Lufthauch entgegen, der eine unangenehme Duftmischung aus verfaulten Eiern, totes verwesendes Tier und Exkrementen mit sich brachte. Es stank bestialisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass in dieser Bude noch jemand wohnte. Ich wollte ich es mir auch nicht vorstellen – und schon gar nicht, dass dieser Jemand Naruto sein sollte.

Alles in mir schien danach, diesen Ort schnellstens zu verlassen. Es war mehr als abartig, was ich hier zusehen bekam. Bisher war mein Blick überwiegend auf den Boden gerichtet, damit ich allen Stolperfallen entkommen konnte. Nun lenkte der Hokage meine Aufmerksamkeit auf die Wände. Auch sie waren beschmutzt, doch nicht nur von Unrat. An vielen (oder eher an allen) Wänden stand etwas geschrieben. So ziemlich Überall konnte man die Worte „Monster“, „Verschwinde“ und Wir wollen dich hier nicht!“ lesen. An einigen Stellen standen Verwünschungen, an anderen las ich Hassparolen.

Ein kurzer Blick in jeden Raum verriet mir, dass dies in der gesamten Wohnung der Fall war. Jede Wand war beschmiert, jedes Möbelstück zu Kleinholz zerschlagen. Überall lag Müll herum. In dem Raum, welcher wohl mal das Schlafzimmer war, hatte ich sogar Überreste eines großteils zerstörten Kuscheltiers entdeckt. Was hatten sie diesem Kind nur angetan?

Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen und ein bitterer und widerlicher Geschmack breitete sich auf meiner Zunge aus. Ich musste schnellstens hier raus! Und gleich darauf war ich dann auch schon draußen und hockte mich einige dutzend Meter die Straße hinauf an den Zaun. Hier war es weniger eklig und hier roch es auch wieder normal. Der Hokage war mir natürlich gefolgt und betrachtete mich.

Mir war zum Kotzen zumute und das sah man mir wahrscheinlich auch an. Ich konnte selbst fühlen, dass mir die Farbe aus meinem ohnehin schon recht blassem Gesicht gewichen war. Zudem kamen die besorgten Blicke des Sandaime. Diese Wohnung hatte es echt in sich gehabt, doch das mulmige Gefühl in meinem rebellierenden Magen kam nicht allein von dem, was ich mir eben ansehen musste.

Allein schon beim Gedanken daran, dass Jahrelang nicht besser war, als die Dorfbewohner und Naruto gleichermaßen verurteilt habe, drehte sich mir der Magen um. Ich hörte, was sie über das kleine Monster erzählten. Wie sie ihn verspotten und ihm den Tod wünschten. All die Jahre habe ich ihnen einfach geglaubt, statt mir den Jungen einfach selbst mal anzusehen. Mir meine eigene Meinung zu bilden. Ich hatte nicht das Recht dazu mich jetzt in sein Leben zu zwängen, wo ich doch genau so falsch gedacht und gehandelt habe. Und diesen Jungen sollte ich jetzt die nächsten Wochen und Monate fast täglich um mich haben? Wie sollte ich ihm nur gegenüber treten, ohne mich dabei zu verraten?

„Ich kann nicht glauben, dass Naruto dort drin leben soll.“, gab ich leise, fast schon flüsternd von mir.

„Genau genommen tut er das auch nicht. Das ist seine Wohnung. Jeder im Dorf weiß das. Das letzte Mal, dass Naruto sie betreten hat, ist jedoch schon viele Jahre her.“, offenbarte der Sandaime mir und klang dabei irgendwie traurig. Auch ihn schien es zu belasten, wie Naruto behandelt wurde. In der Vergangenheit musste wirklich einiges schief gelaufen sein, damit dies alles derart extrem aus dem Ruder laufen konnte.

Wenn Naruto hier nicht mehr herkam, musste er wohl woanders untergekommen sein. Hoffentlich war dies ein besserer Ort, als dieser. „Und wo wohnt er jetzt?“

„Das wissen wir nicht.“, gab der Hokage seufzend zu und schien sogar noch etwas bedrückter als zuvor.

„Wie, das wisst ihr nicht? Ihr seit der Hokage. Wo wer wohnt, dass steht doch in eurer Bewohner-Liste.“ Wie konnte er nicht wissen, wo Naruto wohnt? Das wäre höchstens Möglich, wenn Naruto in einem anderen Dorf leben würde, aber dann würde er ja nicht hier auf die Akademie gehen um Ninja zu werden. Und dann hätte ich ihn auch nicht in meinem Genin Team!

Der Sandaime schien genau zu überlegen, was er nun von sich gab. Zumindest sah es so aus. Er zeigte mal wieder seine typische gerunzelte Denkerstirn. Da war ich jetzt mal gespannt, wie er das erklären wollte. Allerdings hatte ich nicht erwartet, dass mich schon der erste Satz so aus Socken hauen würde. „Genaugenommen ist Naruto kein richtiger Bewohner dieses Dorfes mehr.“

»Ach, ist er nicht? Und was ist er dann?« Wie genau er dies meinte, konnte ich mir nicht so ganz vorstellen, doch ich sollte es ja zum Glück noch erfahren.

„Morgens kommt er zur Akademie, sitzt dort seine Zeit ab und dann verlässt er das Dorf wieder. Er geht in den Wald und kommt immer erst am nächsten Morgen zurück, wenn er wieder zur Akademie geht. An den Wochenende sieht man ihn überhaupt nicht. Wo genau er sich in der Zeit aufhält, dass wissen wir nicht. Auch nicht, wo er schläft. Nicht mal die ANBU konnten ihn aufspüren, um sich ein Bild von ihm und seinem derzeitigem Leben zu machen.“, berichtete der Hokage und warf mir dann einen musternden Blick zu. Er versuchte wohl meine Reaktion einzuschätzen, aber da konnte er lange mustern. Ich konnte nämlich gar nicht reagieren.

Das momentanen Lebensumstände meines Bruders waren zu unfassbar, um darauf überhaupt reagieren zu können. Der Junge lebte im Wald? Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ein Dorf in der nähe konnte es jedenfalls nicht sein. Selbst die näher gelegenen Dörfer waren alle zu weit entfernt. Aber allein im Wald? Ein Kind? Wie lange lebte er den schon so? Und vor allem, was konnte er alles? Wenn er sogar die ANBU abhängen konnte, musste er einiges drauf haben. Leider hatte ich mir Narutos Akte nicht genauer angesehen, was ich nun bereute.

„Wie ist Naruto so?“, wandte ich mich an das Dorfoberhaupt. Ein Bisschen was wollte ich nämlich schon über ihn wissen, bevor ich ihm begegnete.

„Allgemein weiß man über ihn nur sehr wenig. Er ist sehr zurückhalten, fast schon scheu. Redet fast nur, wenn er gefragt wird und sehr selten mal aus eigenem Antrieb. Sein Sensei in der Akademie meint zudem, dass Naruto zwar nach außen hin recht gelassen wirkt, auf ihn jedoch einen eher verspannten Eindruck macht, als würde er jederzeit einen Angriff erwarten. Von seinen schulischen Leistungen her, ist er gleichauf mit Sasuke. Sowohl theoretisch, wie praktisch. Was genau er alles kann, wissen wir jedoch nicht.“, erzählte mir der Sandaime. Diese kurze Zusammenfassung reichte mir schon aus, um zu wissen, dass ich es hier mit einem talentierten, aber auch komplizierten Schüler zu tun hatte. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Junge mir ähnlicher war, als ich es selbst wollte.
Nach der sehr unangenehmen Wohnungsbesichtigung hatte ich noch einige Minuten gebraucht, bis sich mein Magen wieder halbwegs beruhigt hatte. Etwas Restübelkeit beliebt jedoch beharrlich vorhanden, was den Gang zur Akademie nicht unbedingt angenehmer gestaltete. Ich musste mein Team abholen. Die Kinder warteten schon seit Stunden auf mich – und würden wohl auch noch weiter warten, wenn ich das wollte.

Allerdings wollte und durfte ich sie auch nicht zulange warten lassen. Da Naruto offenbar im Wald lebte, würde es für ihn schwierig werden, dass Dorf zu verlassen, wenn ich diese Begegnung zulange hinauszögerte. Nach Einbruch der Dunkelheit wird man nämlich ausschließlich mit Genehmigung aus dem Dorf gelassen und ich wusste nicht, ob Naruto so eine besaß. Ihn dazu zu zwingen, die Nacht im Dorf zu verbringen, weil ich viel zu spät aufgetaucht war, wäre keiner guter Start für die Zusammenarbeit.

Mit jedem Schritt, den ich mich dem Schulgebäude näherte, schienen meine Füße etwas mehr zu wiegen. Gleich würde ich Naruto kennen lernen. Meinen kleinen Bruder, dem ich nicht sagen durfte, was für eine Bindung ich zu ihm habe. Weshalb ich ihn auch nicht anders behandeln durfte, als meine anderen beiden Schüler.

„Du kommst spät.“, erklang eine Stimme unweit von mir, als ich durch den Hauptflur des Schulgebäudes streifte. Sie gehörte zu Iruka Umino, welcher meine drei Schüler die letzten Jahre in der Akademie bereut hatte. Von allen Menschen im Dorf, kannte er meine Genin wohl am Besten.

„Das Gespräch mit dem Hokage hat länger gedauert.“ Dass ich zu diesem Gespräch schon um Stunden zu spät kam, musste er ja nicht wissen, obwohl er es sich bei meinem Ruf wohl auch selbst denken konnte.

„Sie sind noch immer im Klassenraum und warten.“, seufzte er und wand sich dann zum Gehen. „Wenn ich dir noch einen Tipp bezüglich Naruto geben darf … Versuch erst gar nicht an ihn heran zu kommen. Ich hab mir viel Mühe gegeben eine Bindung zu ihm aufzubauen, doch er hat jegliche versuche komplett abgeblockt. Ich weiß jetzt nach 5 Jahre genau so wenig über ihn, wie zu Anfang.“

Dann setzte er sich in Bewegung und ging langsam den Gang entlang zur Tür. Bevor er das Gebäude verließ drehte er sich noch einmal zu mir. „Falls du es doch versuchen möchtest, so kann ich dir nur viel Glück wünschen. Du wirst es brauchen. Auch wenn ich keine Hoffnung habe, dass es dir gelingen wird. Die Kinder sind oben, 2. Stock und dritter Raum links.“ Danach verschwand er gänzlich aus dem Gebäude.

Das waren ja wahrlich fantastische Aussichten. Seufzend setzte ich mich Richtung Treppen in Bewegung und dachte ein weiteres Mal über meinen kleinen Bruder nach.

Langsam verstand ich, warum ich ihm noch nicht sagen sollte, dass ich sein älterer Bruder war. Er war eigentlich immer von allen verhasst und gemieden. Seine Existenz wurde nie akzeptiert und man wünschte ihm sogar den Tod, weshalb er damit begonnen hatte, sich weitgehendst abzukapseln und den Wald bevorzugte. Ihn jetzt damit zu überfallen, dass es für ihn doch Familie gibt, würde er wohl nicht verstehen oder gar glauben. Ich würde ihn mit dieser positiven Nachricht wohl mehr verletzten, als dass sie ihm gut tun würde.

Schneller als es mir bewusst war, hatte ich dann den richtigen Raum erreicht. Kurz horchte ich an der Tür, doch es war alles ruhig. Ob sie wirklich noch da waren? Und das waren sie, denn kaum hatte ich den Raum betreten, wurde ich auch schon von der Kunoichi empfangen und ausgeschimpft. Jetzt ohne scheiß! Da baut sich doch tatsächlich dies junge Mädchen vor mir auf und meint mir eine Predigt über Pünktlichkeit halten zu müssen. Damit wäre das nun schon die zweite am heutigen Tag. Aber soll sie ruhig reden, ich höre bei so etwas eh nur mit halben Ohr zu.

Während Sakura ohne Punkt und Komma weiter zeterte, ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Kurz blieb er an Sasuke hängen, der das Schauspiel äußerst amüsiert betrachtete und einige Mühe hatte, sich ein Lachen zu verkneifen. Er kannte mich ja schon länger und wusste, wie ich bin … und von meiner Unpünktlichkeit.

Und dann erreichten meine Augen Naruto.

Er hatte es sich in der hintersten Tischreihe gemütlich gemacht. Dort lehnte seinen Stuhl leicht kippelnd an der Wand, die Füße lagen auf dem Tisch, die Arme waren vor der Brust verschränkt und der Kopf war dem Fenster zu gewannt. Nicht das geringste Interesse für seine Umgebung schien bei ihm vorhanden. Er sah mich nicht an, zeigte keinerlei Reaktion, weil ich nun endlich auch mal angekommen war, oder weil Sakura noch immer mit ihrer Schimpftirade beschäftigt war. Ihm war es offenbar egal.

Mich interessierte nun stark, wie er auf Anweisungen reagierte. Würde er diese auch ignorieren? Oder ignorierte er im Moment nur uns und wartete, bis etwas wichtiges gesagt wurde? „Wir treffen uns in fünf Minuten auf dem Dach.“, ordnete ich an und verschwand auch sogleich aus dem Raum.

Am Treffpunkt tauchte ich wieder auf und besah mich der Uhrzeit. Fünf Minuten waren nicht viel, doch es war mehr als ausreichend für drei Genin, um auf das Schuldach zu gelangen, zumal sie ja die Treppe nehmen konnten. Ich war gespannt, was ich bei dieser Vorstellungsrunde gleich alles in Erfahrung bringen konnte. Oder ob ich überhaupt etwas erfahren konnte, was ich noch nicht wusste.

Überraschenderweise war Naruto sogar der erste meiner Schüler, der sich auf der Dachterrasse einfand und sich lässig an die Brüstung lehnte. Kurz darauf folgten auch Sasuke und Sakura, die sich auf den Bänken niederließen. Es waren gerade mal zwei Minuten vergangen. Anweisungen wurden also befolgt, sogar von Naruto. Das war schon mal ein gutes Zeichen.

„So, nun stellt euch erst mal vor. Einer nach dem anderen.“, wies ich meine Schüler an und lehnte mich entspannt zurück. Wieder machte Naruto den Eindruck, als wäre ihm dies alles und ich bin besonderen vollkommen egal. Ich war wirklich mehr als gespannt, was ich gleich alles zuhören bekommen würde.

Meine Schüler, zwei von ihnen zumindest, schienen etwas unschlüssig. „Wir sollen uns vorstellen? Was sollen wir den sagen?“, wollte Sakura dann nach einigen Momenten wissen.

Ach du meine gute! Und so etwas soll den Abschluss mit Bestnote gemacht haben? Was ist an einer Vorstellung den bitte so schwer? „Eure Namen wären schon einmal nicht schlecht.“, begann ich und sah in zwei verwirrte grüne Augen, die offenbar noch immer nicht verstanden, was ihre Besitzerin tun sollte. „Erzählt was ihr mögt, oder was ihr nicht mögt. Hobbys, Wünsche oder auch Zukunftsträume. Das ist euch überlassen. Ich will euch nur etwas kennenlernen.“

„Dann fang doch gleich mal selbst an Kakashi.“, kicherte Sasuke vor sich hin und bekam direkt von Sakura eine Kopfnuss. Hach, ist das herrlich. Mit den beiden werde ich sicher noch meinen Spaß haben. Wäre nur schön, wenn Naruto auch mitziehen würde.

„Sasuke! Der Mann ist unser Sensei, vergiss das nicht!“, hörte ich Sakura sagen und musste unter meiner Maske nun auch etwas grinsen. Daher also die Reaktion. Sasuke hatte eben das Sensei nicht benutzt.

Mein kleiner Zögling rieb sich leicht schmollend den Hinterkopf und sah recht genervt aus. „Ich kenne ihn schon länger als du. Kakashi ist seit dem Tod meiner Familie mein Vormund und bisher hatte er nie was dagegen, wenn ich keine Anrede benutze.“, erzählte er dann und sorgte damit bei Sakura für große Augen. »Ja Mädel, da staunst du!«

„Und das habe ich auch jetzt nicht, aber das gilt nur für Sasuke.“, stellte ich darauf klar und beobachtete dabei Naruto etwas aus dem Augenwinkel. Noch immer zeigte der Junge keinerlei Reaktion. Schon irgendwie seltsam.

Nun gut, wenn Sasuke es so wollte, dann begann ich halt selbst mit der Vorstellung. „Was meine Person betrifft. Meine Name ist Kakashi Hatake. Was ich mag, was ich nicht mag und meine Zukunftsträume geht niemanden etwas an.“ Tja, was soll ich sagen … Ich stelle mich halt nur ungern vor – und je weniger sie über mich wissen, um so besser!

„Sehr aufschlussreich.“, gab Sasuke darauf mit einem leichten Kopfschütteln von sich, ehe sein Blick auf Sakura hängen blieb. „Mach du weiter, Ladys First.“

Das hätte er wohl eher nicht sagen sollen, denn Sakura lief nicht nur knallrot an und sah dabei aus wie eine überreife Tomate. Sie bekam auch plötzlich so einen Blick, der typisch für schwer verliebte Mädchen war – und glaubt mir, diese kenne ich nur zu gut. Früher sind mir die Mädchen in schwärmen nachgelaufen, bis ich mich irgendwann mal als Schwul geoutet habe, um meine Ruhe zu haben. Gut, Schwul bin ich jetzt zwar nicht, glaube ich zumindest, aber mit diesem Beziehungsquatsch kann ich einfach nichts anfangen.

Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefangen hatte und damit begann sich vorzustellen. „Mein Name ist Sakura Haruno. Ich mag Sasuke …“ Bei dem Namen Sasuke schielte sie knallrot zu ihm rüber. „ … und Naruto mag ich irgendwie auch.“ Nun schaute sie zu besagter Person, die zum ersten Mal überhaupt eine Reaktion auf etwas zeigte. »Tja, kleiner. Damit hast du wohl nicht gerechnet. Es gibt ein Mädchen, das dich mag.«

Das nächste, was dann kam, überraschte mich dann doch etwas. „Was ich nicht mag ist auch wieder Naruto.“

»Ähm, hä?« Was hab ich denn jetzt verpasst? Hatte sie nicht eben noch gesagt, dass sie ihn mag? Diese jungen Mädchen sind seltsam. Mädchen im allgemeinen sind seltsam! Aber gut, ich bin ein Kerl. Ich muss die Weiber nicht verstehen.

Offenbar war Sasuke deswegen genauso verwirrt wie ich, nur konnte er es sich nicht verkneifen deswegen nachzufragen. „Du magst ihn und magst ihn doch nicht? Muss man das verstehen?“

Die Kunoichi schien ernsthaft mit sich selbst zu ringen. Man konnte ihr förmlich ansehen, wie sie mit sich selbst kämpfe. Eine Seite schien dann gewonnen zu haben, die Selbstbewusste, wie es aussah, denn sie wand sich direkt an Naruto, der sie noch immer ansah. „Jetzt mal ehrlich. Ich finde dich ja ganz süß, aber könntest du dich vielleicht ab und zu mal duschen und deine Kleidung waschen? Dein Sinn für Hygiene ist echt abartig!“

Trotz dieser sehr direkten Worte kam von Naruto jedoch keinerlei Gefühlsregung. Er stempelte die Aussage mit einem leichten Grummeln ab und wand sich dann wieder von ihr ab.

Da in der Richtung keiner weiter etwas sagen wollte, kamen wird zur Thema Vorstellung zurück. Etwas fehlte mir bei Sakura noch. „Und was ist mit Hobbys oder Wünsche?“

„Hm. Hobbys hab ich eigentlich keine, aber ich helfe meiner Mutter manchmal in ihrem Salon, das macht Spaß. Und Wünsche … Ich hab zwar einen, aber den verrate ich nicht. Das ist mir peinlich.“ Bei den letzten Worten war sie wieder knallrot geworden, hielt sich beide Hände vors Gesicht und schielte zwischen zwei Finger zu Sasuke rüber. »Glaub mir, Mädel. Den Wunsch brauchst du nicht aussprechen, den sehe ich auch so.«, seufzte ich gedanklich, und wand mich dann meinem nächsten Schüler zu.

„Ich bin Sasuke Uchiha. Was ich nicht mag, sind nervige Fangirls.“ Dabei schielte er äußerst genervt zu Sakura, was mich zum Grinsen brachte. „Ansonsten mag ich es zu trainieren, weil ich später meinen Clan wiederaufbauen möchte – und dafür muss ich stark sein.“

Bei Sasuke war es für mich nichts neues. Ich kannte ihn einfach schon zu lange, als dass mich diese Aussagen überrascht hätte – aber nun weiß ich endlich, welches seiner Fangirls ihm am Meisten nervt. Bisher hatte er ihren Namen nämlich immer geheim gehalten. Ob er sich wirklich so von ihr genervt fühlt? Vielleicht ist er ja sogar in sie verknallt? Die Zeit wird es zeigen.

„Naruto, du bist dran mit vorstellen.“ Keine Reaktion. Mittlerweile war ich mir ziemlich sicher, dass Naruto genauestens mitbekam, was hier gesagt wurde. Demnach musste er auch wissen, was wir von ihm erwarteten – und doch schien es ihm egal zu sein. Auch nach einigen Minuten machte er noch keine Anstalten, meiner Aufforderung nachzugehen. „Naruto?“

„Wozu? Ihr wisst doch wer ich bin.“ Äußerlich war ihm noch immer keine Gefühlsregung anzusehen, doch an seiner Stimmlage war deutlich zu erkennen gewesen, wie genervt er von dieser Aufforderung war.

„Ja, ich weiß, wer du bist – aber ich möchte dich trotzdem kennenlernen.“ Nun öffnete er seine Augen und schaute mir zum ersten Mal direkt ins Gesicht. Unglauben las ich in seinen Seelenspiegeln, Verwirrung und wenn mich nicht alles täuschte sogar auch etwas Furcht. Die alles konnte man aber nur in seinen Augen sehen. An seiner Körperhaltung war noch immer kein Emotion erkennbar.

„Wenn sie wissen wollen, wer ich bin, dann erzählen sie erst mal, wer sie sind!“, forderte er darauf hin. Diesmal konnte ich deutlichen Trotz aus seiner Stimme heraushören.

Irgendwie ahnte ich, dass er nichts über sich erzählen würde, solange er nicht mehr über mich wusste. In seiner Lage hätte ich wohl nicht anders gehandelt. Dennoch versuchte ich ihn zunächst aus der Reserve zu locken. Vielleicht erzählte er ja doch etwas über sich. „Ich habe mich schon vorgestellt.“

„Bis auf ihren Namen habe ich aber nichts über sie erfahren. Erzählen sie was von sich, dann erzähle ich auch – Vielleicht! – etwas über mich, was sie noch nicht wissen.“ Geschickt ausgedrückt, dass musste ich ihm lassen. Dann musste ich mich wohl nochmal vorstellen. Anders kam ich bei ihm nicht weiter.

„Also gut. Meinen Namen kennst du ja schon. Ich mag meine Freunde und Familie, von denen mein kleiner Bruder der Einzige ist, der noch lebt. Was mich extrem stört ist, dass mein Bruder nicht einmal weiß, dass es mich gibt – und dass ich es ihm auch nicht erzählen darf. Wünsche oder Träume habe ich keine, da ich schon vor vielen Jahren aufgegeben habe an eine bessere Zukunft zu glauben.“

Gespannt wartete ich auf eine Reaktion von Naruto, doch er schaute mich noch immer vergleichsweise Emotionslos an, während meine anderen beiden Schüler recht verwundert drein schauten. Zugern würde ich jetzt den Gedanken meines Bruders lauschen können. Was jetzt wohl in seinem Kopf vor ging? Mir blieb nun nichts weiter, als zu hoffen, dass auch er etwas erzählte.

Einige Momente später begann Naruto wirklich damit, etwas zu erzählen. „Ich mag den Wald und die Ruhe dort. Wenn Stundenlang nichts anderes zuhören ist, als der Wind, der die Blätter zum Rascheln bringt, oder die Vögel, die ihre Lieder singen. Die Tiere im Wald, die sich an meiner Anwesenheit nicht stören – und meinen kleinen Freund Kurama.“ Seine Hände langten nach hinten zur Kapuze seines Pullovers und zupften etwas daran.

Kurze Zeit später regte sich etwas darin und ein kleiner rötlicher Kopf lugte daraus hervor, der eindeutig zu einem Fuchs stammte. Kurz darauf erschien auch der Rest des kleinen Tieres, welches nun auf der Schulter von Naruto saß und sich an seinen Hals schmiegte. Der Fuchs war noch sehr klein und schien selbst noch ein Kind zu sein.

„Was ich nicht mag ist das Dorf. Der Lärm … Die vielen Menschen … Die Bewohner an sich. Ich bin nicht gern hier. Am Liebsten würde ich es komplett meiden, doch das geht nicht, da der Rat mich dazu zwingt für das Dorf als Ninja zu arbeiten.“ Soviel Schmerz lag in der Stimme, als diese Worte über seine Lippen kamen und die Traurigkeit in seinen Augen war überdeutlich zu erkennen.

Und da war sie wieder, meine Übelkeit. Bisher hatte ich sie gut verdrängt gehabt, doch nur war sie wieder vollständig zurück, so dass ich einiges an Mühe aufbringen musste, mir nichts anmerken zu lassen. Nun wo ich ihn selbst über das Dorf reden gehört hatte, viel es mir noch um einiges schwerer.

„Was ist mit Träumen oder Wünschen?“, wollte Sakura wissen, als von Naruto nichts mehr zu hören war. Ich weiß, sie hatte nur gefragt, damit er seine Vorstellung noch komplettierte und weil sie auch sicher nicht wusste, woher seine Abneigung gegen das Dorf kam und wie extrem sie war. Doch in diesem Moment wünschte ich, sie hätte es nicht getan.

Der vernichtende Blick, welchen er ihr deswegen zuwarf hatte nicht nur sie zusammenzucken lassen, sondern Sasuke und mich ebenfalls erschreckt. Nicht weniger erschreckend war die Kälte in seiner Stimme. „Ich habe keine Träume, nur Albträume – und glaub mir, die willst du sicher nicht wissen.“

Das war echt gruselig. Kaum zu glauben, dass ein Junge in diesem Alter schon einen derart fiesen Blick drauf hatte – und dann die Kälte in seiner Stimme. Bildte ich mir das nur ein, oder lief mir jetzt wirklich der Angstschweiß den Rücken runter. Mein Shirt fühlte sich jedenfalls verdächtig feucht an.

Bevor es noch schlimmer wurde, sollte ich diese Vorstellungsrunde wohl besser auflösen. Ich hatte ja alles erfahren, was ich wissen wollte. „So, es ist schon spät. Ich würde mal sagen, wir machen Schluss für heute. Wir sehen uns dann morgen früh um 6 Uhr auf Trainingsplatz 7.“ Meine Schüler waren von dieser Idee sichtlich begeistert und es dauerte nur wenige Augenblicke, da hatten sich Sakura und Sasuke auch schon verkrümelt.

Mein Brüderchen hingegen, bewegte sich nur gemächlich. Erstaunt beobachtete ich, wie er sich mit einem Ruck nach hinten warf und Rücklings über die Brüstung fiel. Kaum hatte ich den Punkt erreicht um nach ihm zu sehen, erblickte ich ihn auch schon, wie er relaxed die Straße entlang ging, als wäre nichts gewesen. Dieser Junge war wahrlich eine Wundertüte.

Ab ich ihm vielleicht folgen sollte? Die ANBU haben bislang ja nicht herausbekommen können, wie und wo er lebt. Vielleicht sollte ich mal mein Glück bei ihm versuchen. Einen kleinen Jungen zu verfolgen konnte ja nicht so schwer sein.

Die Schneekönigin #6

Offenbarung

Mit Entsetzten hatte die Ninja betrachtet, wie die Toten zu Staub zerfallen waren und sich nun dafür der General regte. Wenn sie eine Wahl gehabt hätte, dann wären ihnen seine Diener doch lieber gewesen, als er selbst. Shikamaru hatte sich wieder zurückgezogen und Sasuke stand kampfbereit noch an der gleichen Stelle wie zuvor. Entkommen war unmöglich, da noch immer die Wand aus Eis um sie herum gezogen war. Schmelzen würde auch nicht viel bringen, da dieser schwarze Ritter einfach eine neue Eiswand ziehen würde. Ihnen blieb somit nur der Kampf. Die Schneekönigin #6 weiterlesen

Ein Grund zu Leben #2

Ich und Sensei?

Hier stand ich nun, im Büro des Hokage und hörte mir (mal wieder) eine Predigt darüber an, dass man in meiner Position pünktlich zu erscheinen hat. Das er sich diesen Stress überhaupt noch antat, vor allem in seinem Alter, war für mich immer wieder ein Rätsel.

„… Früher warst du mal so ein vorbildlicher junger Ninja! …“

»Na super, jetzt geht das schon wieder los.« Ich wusste selbst, dass ich früher pünktlicher war. Das brauchte er mir nicht jedes mal wieder vorkauen. Langsam könnte er sich auch mal einen neuen Text zurechtlegen. Immer die gleiche Predigt wurde auf Dauer langweilig. »Werde fertig und komm endlich zum Thema!« Ein Grund zu Leben #2 weiterlesen

Die Schneekönigin #5

Ninja vs. General Boron

Einige Minuten vergehen und Boron kann den Ninja dabei zusehen, wie sie sich beraten. Ihn amüsiert es, wie sie ihm zitternd immer wieder Blicke zuwarfen und sein eisiges Lachen, welches er deshalb von sich gab, schien sie zusätzlich zu verunsichern.

Ein Fluchtversuch folgte, jedoch wurde dieser schnell mit einer Eismauer vereitelt, welche Boron in einem weiten Bogen um sich und die Gruppe zog. Ein Wink mit der Hand genügte für solchen Kleinkram. Nun könnten sie ihm nicht mehr entkommen. Er wollte mit ihnen spielen – und er würde mit ihnen spielen. Die Schneekönigin #5 weiterlesen

Ein Grund zu Leben #1

Beginn der Aufzeichnung

Bevor ich beim eigentlichen Thema beginne, zunächst einmal etwas zu mir selbst, damit Du (Wer auch du bist, der sich meine Aufzeichnung antut.) auch weißt, mit wem du es hier zu tun hast.

Wer also bin ich?

Mein Name ist Kakashi Hatake und ich bin der Kopierninja, der schon über 1000 Jutsus kopiert haben soll. Ich galt von klein auf als Genie und bin der Sohn des legendären „Weißen Reißzahns“ Sakumo Hatake. Im Alter von 5 Jahren wurde ich Genin, mit 7 Jahren folgte die Beförderung zum Chunin und mit 12 erreichte ich den Rang eines Jonin. Mit 13 Jahren wurde ich als bis dato jüngster Ninja überhaupt in den ausgewählten Kreis der ANBU aufgenommen. Ich bin einer der Besten und stärksten Ninja des Dorfes Konoha.

So würde mich wohl ein Anderer beschreiben. Ich selbst sehe mich als Versager, als Unglücksbringer.

In meiner Gegenwart starben die Menschen, die mir ans Herz wuchsen. Angefangen bei meiner Mutter, die schon kurz nach meiner Geburt verstarb. Dann meine Großeltern und mein Vater. Letzterer, hatte Selbstmord begangen. Zwar konnte ich da weniger etwas für, aber trotzdem war er Tod, aus meinem Leben verschwunden.

Danach war ich bei meinem Sensei eingezogen. Er wurde für mich zu einem Ersatzvater. Ich freundete mich damals mit der Tochter seiner Nachbarn an, doch auch sie starb dann recht früh. Darauf folgten meine ersten beiden Teamkameraden, welche damals die Chunin-Prüfung nicht überlebt hatten. Einige Zeit später bekamen wir zwei neue ins Team. Rin und Obito. Eine Zeit lang ging es dann gut, doch auch sie starben, so wie auch mein zweiter Vater. Jede Person, die für mich mit der Zeit wichtig wurde, schien eine höhere Macht kurz danach aus meinem Leben zu entfernen.

Alles in allem würde ich sagen: Mein Leben ist scheiße!

Einen Grund zu Leben gab es für mich schon lange nicht mehr und manchmal fragte ich mich ernsthaft, warum ich diesen ganzen Zirkus hier überhaupt noch mitmachte und mich nicht einfach selbst ins Jenseits beförderte, so wie mein Vater damals. Darüber nachgedacht hatte ich schon öfter, doch versucht hatte ich es bisher nicht. Wieso genau, konnte ich selbst nicht sagen. Vielleicht hegte ich ja noch immer die Hoffnung, dass irgendwann alles besser werden würde. Wäre seltsam, wenn es wirklich daran lag, denn eigentlich dachte ich damals, dass diese Hoffnungen mit dem Tod meines Sensei begraben wurden. Damals hatte ich jegliche Hoffnungen aufgegeben.

Es gibt so vieles in meinem Leben, was passiert war. So vieles, wovon ich berichten könnte. Diese Reihe von Erlebnissen aus meiner Kindheit waren nur einige Wenige, die ich hier mal kurz anschneiden wollte. Ein spezielle Ereigniskette möchte ich hier nun niederschreiben, denn mit ihrem Beginn sollte sich einiges in meinem Denken und Handeln ändern.

Und so beginnt sie nun, meine Aufzeichnung. Die Geschichte über meinen Grund zu Leben, der mit vielen Problemen und Hindernissen verbunden war.
Es war noch sehr früh am Morgen, als ein ANBU vor meinem Fenster erschien. Ich sollte mich beim Hokage melden. Wie so oft fungierte dieser ANBU nur als Bote und verschwand auch sogleich, nachdem er die Botschaft übermittelt hatte – und wie immer ignorierte ich die Aufforderung zunächst. Der Hokage wusste bereits, dass ich vormittags zu gut wie nie richtig ansprechbar war. Da musst schon das Dorf angegriffen werden oder ein anderer Notfall eintreten, damit ich mich aktiv am geschehen beteiligte. Davon war allerdings nicht die Rede gewesen, weshalb das Dorfoberhaupt auch unter Garantie noch nicht mit mir rechnete.

Wie jeden Vormittag begab ich mich zu aller erst zum Friedhof, wo ich mein Team besuchte. Mein Sensei Minato und meine beiden Freunde Rin und Obito. Alle drei waren nicht mehr am Leben, weshalb ich sie nur an ihren Gräbern besuchen konnte. Das einzige Team, was für mich immer MEIN Team bleiben sollte. So dachte ich zu diesem Zeitpunkt zumindest.

Am Längsten lag Obitos Tod zurück. Obito Uchiha. Bereits 14 Jahre war es nun schon her, seit er im dritten Ninja Krieg starb. Damals war ich gerade Jonin geworden. Mir wurde die Leitung der Mission übertragen, da unser Sensei an der Front gebraucht wurde. Ich hatte völlig versagt und meinen besten Freund verloren. Noch im Moment seines Todes schenkte er mir eines seiner Augen. Obitos Sharingan, welches ich auf ewig in Ehren halten würde. Nur selten benutzte ich es und anderen Personen zeigte ich sein Auge auch nur ungern. Zu sehr erinnerte es mich an die Niederlage, die verpatzte Mission und den Tod eines mir sehr wichtigen Menschen.

Einige Monate später starb Rin. Auch sie war eine gute und wichtige Freundin für mich und ihr Tod schmerzte mich sogar noch weit mehr, als Obitos. Auch hier war es wieder meine Schuld. Eine winzige Sekunde nicht aufgepasst, eine falsch getroffene Entscheidung. Soviel konnte schief gehen, wenn man nicht ganz bei der Sache war. Damals geriet Rin in mein Chidori. Noch immer wachte ich regelmäßig aus Albträumen auf, in welchen ich meine Hand aus ihrer Brust zog. Wo sie tot neben mir lag und mich fassungslos und traurig anstarrte.

Der Tod meines Senseis war mittlerweile 12 Jahre her. Ob Minatos Tod auch auf meine Kappe ging, konnte ich nicht sagen, da ich zu der Zeit eine längere Mission hatte. Vielleicht hätte ich seinen Tod verhindern können, wenn ich da gewesen wäre, vielleicht aber auch nicht. Wenn ich jedoch über den Grund seines Todes nachdachte, dann hätte ich es wohl eher nicht verhindern können. Mit ihm starb auch seine Frau Kushina. Mein letzter großer Halt war damit auch verschwunden. Beide waren für mich eine Ersatzfamilie.
Lang saß ich vor ihren Grabstätten und schwelgte in Erinnerungen, ehe ich mich gegen Mittag dann doch auf den Weg zum Büro des Hokage machte. Ganz drücken konnte ich mich dann doch nicht.

Die Schneekönigin #4

General Boron

Ein leichtes Rütteln ließ seinen Verstand langsam erwachen. Die Sabber seines Ghuldieners Vryg, welche direkt auf sein Gesicht tropfte, machte den Weckprozess jedoch erst vollkommen.

Noch wacher konnte er jetzt nicht mehr werden.

Angeekelt wischte er sich die feuchten Tropfen aus dem Gesicht. Vryg würde es nie lernen. Jeden morgen aufs Neue sabberte der tollpatschige Ghul ihm ins Gesicht. Seufzend – und wieder trocken – öffnete er die Augen und sah seinen Diener böse an, welcher sich darauf eingeschüchtert duckte und einige ‚grummel‘ Geräusche von sich gab. Reden konnte der Ghul nicht. Dennoch verstand er sofort, was sein Ghul ihm sagen wollte. Die Schneekönigin #4 weiterlesen

Die Schneekönigin #3

S-Rang Mission

Der nächste Morgen brach an und im Hause Hyuuga flitze ein kleiner blonder Junge umher und suchte seine Schulsachen zusammen. Jeden Tag aufs neue amüsierte der Kleine damit seine Mutter. Hinata konnte es noch immer nicht fassen, wie sehr ihr kleiner Naruto seinem Vater ähnelte. Nur weniger Unterschiede gab es zwischen ihren beiden blonden Engeln. Ihr Sohn lernte schneller, was unter anderem an dem strengen Training seines Großvaters lag. Klein Naruto hatte das Bluterbe der Hyuugas bereits voll im Griff und er hatte allgemein weit aus mehr Disziplin, als sein Vater. Ein chaotischer Ramensuchti war der Kleine dennoch und auch das lose Mundwerk hatte er eindeutig von seinem Vater geerbt – wobei letzteres zum Glück nicht ganz so extrem ausgeprägt war. Die Schneekönigin #3 weiterlesen

Die Schneekönigin #2

Todestag

Zehn Jahre war es nun her, seid sich die großen Ninjadörfer verbündet hatten, um Madaras Pläne zu vereiteln. Der Krieg war gewonnen. Die Menschen hatte sich ihre Freiheit und ihre Leben bewahrt. Madara war besiegt. Dennoch bedrückte die Menschen in Konoha etwas. Viele Ninja waren in den Kämpfen gefallen, auch einige Freunde hatten sie verloren. Doch dieser eine Verlust… drückte die Stimmung des Dorfes enorm. Die Schneekönigin #2 weiterlesen